Kapuziner Österreich-Südtirol

19.09.2017 - Wiener Kapuzinerkirche - International bedeutsamer Ort der Stille

Ein neuer Chef für ein unbekanntes Kleinod mit weltweiter Bedeutung.

Nur wenige Gehminuten trennen das Wiener Kapuzinerkloster vom Stephansdom, wenige Schritte von der Kapuzinergruft und den Gräbern der Habsburger. Während dort das pulsierende Leben Wien als Zentrum Österreichs greifbar macht, haben die Brüder des Kapuzinerordens wenige Meter weiter mitten im ersten Bezirk einen Ort der Stille geschaffen. Hierher kommen Menschen, die im Getriebe der Großstadt zur Ruhe kommen wollen.

Letzten Sonntag, 17. September rückten Kloster und Kirche der Kapuziner ins Zentrum der Aufmerksamkeit: In einem feierlichen Gottesdienst wird ein neuer Ordensoberer für Wien eingeführt: Bruder Leszek Nocun (55) heißt der neue Guardian (Hausobere). Er soll Vorhandenes ausbauen und die Kapuzinerkirche noch weiter zum Anlaufpunkt für Menschen machen, die Ansprache, Begleitung oder einfach nur Ruhe suchen. Der stellvertretende Kapuzinerobere für Österreich und Südtirol, Bruder Marek Król stand dem Gottesdienst in der Wiener Kapuzinerkirche vor.    

 

Wer nach Wien kommt, besucht die Kapuzinergruft.

„Guardian sein heißt Impulsgeber zu sein!“ beschreibt Bruder Leszek selbst seine neue Aufgabe. „In dieser Funktion habe ich zu begleiten, auszugleichen und uns allen neue Aufgaben und Handlungsfelder zu eröffnen.“ Ein Guardian trägt die Verantwortung für die Brüder, das Kloster und die Seelsorge in personellen, spirituellen und wirtschaftlichen Belangen. In Wien hat diese Verantwortung besondere Bedeutung: Liegt doch die Sorge für die unter dem Kloster gelegene Kaisergruft in der Verantwortung der Kapuziner. Über Jahrhunderte wurden die Mitglieder der Familie Habsburg von Kapuzinern seelsorglich begleitet und in der „Kaisergruft“ – „Kapuzinergruft“ beigesetzt. Menschen aus der ganzen Welt kommen extra nach Wien, um u.a. die Gruft unter dem Kloster zu besuchen.

 

Weltweite Bedeutung

Weniger bekannt ist die Bedeutung Wiens für den gesamten Weltorden. Junge Kapuziner von überall her verbringen einige Monate bis Jahre in Wien, um hier um zu Studieren oder sich weiterzubilden. Zurzeit sind u.a. Kapuziner aus Indien, Tschechien und Polen fixer Teil der 12 Mitglieder zählenden Wiener Klostergemeinschaft. Dazu kommen regelmäßig Studenten, die „nur“ einige Monate bleiben.

 

Weitere Impulse sind gefragt

„Als Guardian bist du Vorbild in Leben und Weitergabe unseres Glaubens!“ so Bruder Marek Król, Provinzvikar und stellvertretender Ordensoberer für Österreich und Südtirol bei der Festmesse. „Gestalte das Leben deiner Gemeinschaft verantwortlich zum Wohle aller.“ Die Provinzleitung erhofft sich mit dem Wechsel auch weitere Impulse für die Ausrichtung des Hauses. In den letzten Jahren wurde die Kirche generalsaniert, um die teilweise aus dem 19. Jahrhundert stammenden Leitungen für Heizung und Elektrizität auf den Stand der Zeit zu bringen. Die Renovierung des Klosters ist derzeit noch am Laufen. „Die Lage des Klosters eignet sich gut für Citypastoral!“ so die Überlegung von Bruder Leszek selbst. „Mit der „Stille im Zentrum“ gibt es bereits Ansätze, die man sicher noch weiter ausbauen kann.“ So wurde mit dem renovierten Beichtraum ein mehrfach nutzbarer Raum der Begegnung geschaffen. Zusammenarbeit mit gemeinnützigen Organisationen wie der Caritas lässt das Haus besonders im Winter zum Anlaufpunkt für sozial benachteiligte Menschen werden, indem im Kloster wöchentlich ein Raum als „Wärmestube“ zur Verfügung steht.

 

Kapuziner: Stille, Gemeinschaft und soziales Wirken

„Bruder Leszek ist ein sehr ausgeglichener Mensch, der die Dinge in Ruhe angeht,“ erzählt Bruder Erich Geir, Provinzial und Oberer Österreichs und Südtirols über den neuen Guardian. „In Wien mit dieser bunten Gemeinschaft und den vielfältigen Aufgaben ist das besonders wichtig.“ Organisatorisch ist das Wiener Kloster mit 16 anderen Niederlassungen Teil der Ordensprovinz Österreich-Südtirol. Als Kapuziner tritt man in eine Ordensprovinz und nicht etwa in ein Kloster an einem bestimmten Standort ein. Das Leben eines Kapuziners beruht auf Leben aus dem Gebet und der Stille, sozialem Wirken bei Bedürftigen und Gemeinschaft untereinander und mit den Menschen im Umfeld. Immer wieder neue Aufgaben an neuen Orten zu übernehmen, ist Teil des Lebens jedes Kapuziners. Der bisherige Guardian Bruder Tomasz Krawczyk wechselte mit Anfang September ins Kloster Wr. Neustadt. Die Amtszeit eines Kapuzinerguardians beträgt drei Jahre und kann einmal verlängert werden. Neben Wien und Wr. Neustadt erhalten dieses Monat auch die Klöster in Leibnitz und Feldkirch neue Hausobere.

 

Geistlicher Assistent für den Säkularorden ganz Österreichs und Südtirols

„Besonders freue ich mich auf die Mitbrüder!“ so der neue Obere. „Ich möchte ihnen ein guter und gerechter Mitbruder sein. Und dann natürlich auf Wien als Stadt und die neuen Herausforderungen, die auf mich zukommen.“ Bruder Leszek lebte die letzten 10 Jahre in Wr. Neustadt und hatte in der Vergangenheit Leitungsfunktionen in verschiedenen österreichischen Klöstern inne. Darüber hinaus ist er seit 2008 geistlicher Assistent für den franziskanischen Säkularorden OFS. In der Gemeinschaft dieses Säkularordens können Laien ein franziskanisch ausgerichtetes Leben führen. Als geistlicher Assistent und hat er die Anbindung an die franziskanischen Orden wie die Kapuziner und die franziskanische Spiritualität zu gewährleisten.

In dieser Funktion hat er Zuständigkeit für den franziskanischen Säkularorden ganz Österreichs und Südtirols, insgesamt ca. 1000 Personen, zusätzlich übt er die Funktion lokal für Wr. Neustadt und die Region Steiermark-Kärnten aus.

 

Biografische Daten zur Person: Bruder Leszek Nocun, geb. 1962. Ordenseintritt: 1981, Ewige Gelübde 1987, Priesterweihe 1988.

 

Bildnachweise zur Honorar-freien Verwendung:

Bild1: Kapuzinerkirche und –kloster am Neuen Markt im ersten Bezirk.  © Kapuziner/ Klaus Prokop

Bild 2: Der neue Guardian (Hausobere) der Wiener Kapuziner, Bruder Leszek Nocun

Bild3: Zahlreiche Menschen kommen in die Kapuzinerkirche, um hier zur Ruhe zu kommen. © Kapuziner/ Gerhard Berger

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