Was wurde aus den Kapuzinern in Hartberg, Imst und Schlanders?
Kapuziner Österreich-Südtirol

Gut angekommen

Was wurde aus den Brüdern der aufgelassenen Klöster Hartberg, Imst und Schlanders?

 „Ich habe mich hier gleich richtig gefühlt!“ Das sagt Bruder Johannes Salawa über sein Kloster Leibnitz, wo er seit Herbst 2017 Guardian ist. 2016 wurde sein vormaliges Kloster Hartberg aufgelassen und der Diözese Graz-Seckau zur Nutzung übergeben. Die Trennung von Hartberg war ein schmerzhafter Prozess, für Bevölkerung und Kapuziner gleichermaßen. Nach dem Abschied von Hartberg nahm Bruder Johannes zunächst ein Jahr Auszeit in Perugia. „Das war die beste Entscheidung!“ sagt er heute. „Ich hab mich in Assisi an Franziskus gewandt, das war sehr ergreifend.“ Außerdem fühlte er sich in der Brüdergemeinschaft von Perugia wie zuhause. „Es war gut, wieder in einer größeren Kapuzinergemeinschaft zu sein, eine Rückkehr ins klassische Kapuzinerleben.“ In Hartberg bestand die Gemeinschaft zuletzt nur noch aus zwei Brüdern. Sein Mitbruder Werner übersiedelte ins Seniorenheim in Hartberg.

In Leibnitz steht Bruder Johannes heute einer fünf Köpfe zählenden Gemeinschaft vor und betreut zahlreiche Gruppen im Kloster. „Je mehr Gruppen, desto besser!“ meint er „Dann kann jeder sich finden!“ und fasst zusammen: „Es geht mir gut!“ Ihn freut auch, dass viele Freundschaften zu Menschen an seinem früheren Ort Hartberg geblieben sind.

Neue Aufgaben mit 80 Jahren

Ähnlich erging es Bruder Markus Präg. Er war bis 2016 in Imst eingesetzt und entschied sich in Absprache mit der damaligen Provinzleitung für eine Übersiedelung nach Feldkirch. Nach Imst kommt er immer wieder gern zurück und hilft auch mal in Kapuzinerkirche aus, wenn er gebeten wird. Gefragt nach seinen neuen Aufgaben verweist er auf sein Alter: „Ich bin fast 80 Jahre alt! Mir gefällt, dass ich mich um Bruder Gebhard kümmern kann. Außerdem habe ich mir gleich eine Aufgabe im Altenheim der Kreuzschwestern gesucht – in diesem Gebäude war ich im Internat! Dort bin ich jetzt in der Seelsorge aktiv.“
Für einen ganz anderen Weg entschied sich sein Mitbruder aus Imst, Bruder Josef-Rupert Huber. Nach vielen Gesprächen und dem Durchreden verschiedener Varianten wurde ihm ein Verbleib in Imst vorgeschlagen. Die Entscheidung fiel ihm nicht leicht. Nach der Brüdergemeinschaft plötzlich alleine leben? Schließlich gaben die Menschen vor Ort den Ausschlag. Viele kamen auf ihn zu baten ihn, zu bleiben. „Ich mach das ja nicht für mich!“ meint er. Heute lebt er in einer kleinen Wohnung in Imst. Formell gehört er der Innsbrucker Brüdergemeinschaft an, die er regelmäßig aufsucht.

Auf die Einzelnen schauen

„Solche Situationen des Abschieds sind nie leicht!“ meint der heutige Provinzial Bruder Erich Geir. „Als Leitung haben wir unter verschiedener Rücksicht Verantwortung – und die Rücksichten wiedersprechen einander auch: Wir haben Verantwortung für die Provinzgemeinschaft, für deren Bestand es Konzentration der Kräfte braucht. Wir haben Verantwortung gegenüber den einzelnen Mitbrüdern in ihrer jeweiligen Situation. Und schlussendlich haben wir auch Verantwortung gegenüber dem Weltorden. Für eine gute Auflösung dieser Situationen muss man viel miteinander reden. Immer wieder und immer wieder. Man muss auf den einzelnen Mitbruder schauen, auf sein Alter. Vorgefertigte Lösungen gibt es da nicht.“ Zum Zeitpunkt des Abschieds Hartberg und Imst war er bereits Mitglied der Provinzleitung, der Abschiedsfeier in Schlanders stand er selbst vor. Er war es auch, der mit den Schlanderser Brüdern nach guten Lösungen suchte:

Bruder Maximilian Frank blieb vor Ort und übersiedelte ins Seniorenheim. „Wer eine Klostergemeinschaft gewöhnt ist, fühlt sich auch in der größeren Gemeinschaft des Heims wohl!“ meint er dazu. Sein Mitbruder Albert Piok ging nach Meran, wo er verschiedenen Aufgaben in der Seelsorge wahrnimmt: Im Kloster, aber auch im Schnalstal und im Schwesternhaus. Ein besonderes Geschenk gab es für die die beiden erst kürzlich, zur Erinnerung an Schlanders: Engagierte Gemeindebürger stellten einen Bildband zusammen, der unter dem Titel „Das Erbe der Stille“ im Mai 2019 der Öffentlichkeit präsentiert wurde.
Die nächste Vorstellung des Buches wird am 22. September um 19:00 Uhr in der Bibliothek Mals, Südtirol stattfinden.