Interview mit Matthias Reich
Kapuziner Österreich-Südtirol

„Der Kapuzinerorden ist mein Weg“

Interview mit Bruder Matthias Reich

Im Bild: Drei Generationen Kapuziner - Provinzial Bruder Erich Geir, Bruder Matthias Reich und Provinzvikar Bruder Marek Król (vlnr). Zu der Feier in Innsbruck am 2. Feber kamen Mitbrüder von nah und fern nach Innsbruck.

 

Am 2. Februar 2019, dem Tag des geweihten Lebens, legt Bruder Matthias Reich die ewigen Gelübde als Kapuziner ab. Der gebürtige Steirer ist 30 Jahre alt und lebt seit sechs Jahren als Kapuziner im Kloster. Was veranlasst einen jungen Mann heute, in einen Orden einzutreten? Welche Hoffnungen verknüpft er mit diesem Schritt, der etwa die Bedeutung einer Heirat im bürgerlichen Leben hat? Wir haben Bruder Matthias im Vorfeld getroffen und das Gespräch mit ihm geführt.

Was bedeutet die Profess für dich?
Ich gebe Gott und der Gemeinschaft die Zusage: Ja, diesen Weg möchte ich mein Leben lang weitergehen. Für diese Entscheidung, die ich jetzt 6 Jahre lang geprüft habe, gebe ich nun ein Versprechen ab – oder besser gesagt, darf ich nun dieses Versprechen geben. Es ist ein gegenseitiges Geschehen, denn das Professversprechen geht einher mit einer Verheißung, die ungleich größer ist, als das Versprochene.

Warum bist du Kapuziner geworden?
Die Kapuziner waren mir von Kindesbeinen an vertraut durch die Nähe zum Kapuzinerkloster in Leibnitz und viele Bezüge der Kapuziner zu meiner Heimatpfarre. Die geistliche Berufung ist mit der Zeit gewachsen. Der Weg begann im Priesterseminar in Graz, aber irgendwann ist die Sehnsucht so klar geworden, dass ich mich von Neuem auf den Weg gemacht hab.

Warum Kapuziner und nicht doch Diözesanpriester oder ein anderer Orden?
Im Kloster in Leibnitz hatte ich das Gefühl von Heimat und die Dynamik der Gemeinschaft hat mir imponiert. Ich hatte das Gefühl „Da könnte ich gut mittun und auch zwischendrin sein.“ Ich war ja zuerst im Priesterseminar. Und als ich dann nach Gründen gesucht habe, warum das eine – Diözesanpriester- oder das andere – also Ordensmann – gab es sie, aber es hat sich auch gezeigt, dass sie nicht so wichtig waren. Da ging es nicht um eine bloße Vernunftentscheidung. Am Ende war es einfach mein Weg – und der bewährt sich nun seit mehreren Jahren.  

Was würdest du jemandem raten, der sich selbst die Frage stellt, ob ein geistliches Leben für ihn in Frage kommt?
Der Sehnsucht nach Stille, so gut es geht, nachgeben. Gut zuhören in alle Richtungen: Zuhören, wenn das Wort Gottes verkündet wird. Zuhören, wenn vertraute Menschen sprechen. Zuhören im Schweigen. Und dann entsprechend handeln.

„Man kann mit mir rechnen“

Wie geht nach der Profess weiter?
Im März werde ich zum Diakon geweiht und mein Pastoraljahr geht noch bis Ende August.
An der Oberfläche, also im Alltag, ändert sich nichts. So wie ich und andere Brüder in Ausbildung einbezogen sind, wird es auch in Zukunft sein. Aber die Grundlage wird neu: Man kann mit mir nun auf Zukunft hin rechnen.  

Was wünscht du dir für dein Leben als Kapuziner?
Ich wünsche mir, dass die letzte Zeile der Profess-Formel Wirklichkeit wird – dass ich guten Dienst tun kann, mit meiner Zusage an die Brüdergemeinschaft und mit großer Verfügbarkeit für die Bedürfnisse des Ordens.


Das Gespräch wurde von Sarah Schuller-Kanzian am 10. Jänner 2019 in Innsbruck im Auftrag der Kapuzinerprovinz Österreich-Südtirol geführt.
Fotos:
Geigenfoto: (c) slw - Soziale Dienste der Kapuziner
alle anderen (c) Kapuziner/ Gerhard Berger


Br. Matthias Reich, geb. 1988. Aufgewachsen in Heimschuh bei Leibnitz, Steiermark. AHS-Matura, Ausbildung Kirchenmusik C. Ordenseintritt: 2013, zeitliche Gelübde 2015, Studienabschluss Theologie 2017. Auslandsjahr in Sofia, Bulgarien 2017/18. Zur Zeit im ULG Pastoraljahr in der Diözese Innsbruck mit Einsatz im SR Jenbach–Wiesing-Münster und im Pastoralteam des slw-Soziale Dienste der Kapuziner.