Radikal arm und radikal hilfsbereit | Die heilige Elisabeth von Thüringen
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Radikal arm und radikal hilfsbereit

Elisabeth von Thüringen ist eine vom Leben des Heiligen Franziskus inspirierte Heilige und die Namenspatronin des Elisabethinums in Axams/Tirol. Diese Einrichtung ist eine Gründung des österreichischen Kapuzinerordens und setzt sich seit 1956 für Kinder mit Behinderungen ein.

Manche Menschen stellt das Leben vor sehr große Herausforderungen. Für sie ist es besonders wichtig, dass ihnen andere Menschen zur Seite stehen – denn nur gemeinsam lassen sich große Hürden und Barrieren bewältigen. Der Blick in die Geschichte und auf Menschen, die sich in besonderem Maß für andere eingesetzt haben, kann eine Inspiration für uns heute Lebende sein. So ist es nicht verwunderlich, dass die Kapuziner eine Einrichtung für Kinder mit Behinderungen nach der Heiligen Elisabeth benannt haben. Sie hat sich zeit ihres kurzen Lebens in radikaler Weise für Menschen eingesetzt, die marginalisiert und diskriminiert am Rande des damaligen Gesellschaft gelebt haben.

Radikal arm

Elisabeth von Thüringen (*1207 † 1231) war eine ungarische Prinzessin und deutsche Landgräfin. Sie wurde 1235 heiliggesprochen, ihr Namenstag fällt auf den 19. November, den Tag ihrer Beisetzung.
Bereits gegen Ende des 12. Jahrhunderts hatte sich in Europa eine breite religiöse Armutsbewegung etabliert, die auch weibliche Laien erfasste. Diese Frauen lebten entsprechend dem apostolischen Ideal in Armut und Keuschheit, ohne sich den Regeln eines Ordens zu unterwerfen, und bestritten ihren Unterhalt aus karitativer Tätigkeit. Aus dieser Armutsbewegung ging auch eine Reihe neuer Orden hervor, darunter die der Dominikaner und Franziskaner.

Elisabeth und die franziskanischen Ideale

Bereits ab 1223 war der franziskanische Laienbruder Rodeger der geistliche Berater von Elisabeth von Thüringen und hatte sie mit den Idealen des Franz von Assisi bekanntgemacht: Die Forderung nach einem Leben in Armut, Gehorsam und Keuschheit fiel bei der jungen Prinzessin auf fruchtbaren Boden. Elisabeth stand bereits als junges Mädchen dem höfischen Prunk am thüringischen Hof kritisch gegenüber - so trug sie vermutlich anfangs ein Büßergewand unter ihrer Hofkleidung und verschenkte dann zunehmend ihre kostbare Kleidung und ihren Schmuck.
Elisabeth wurde mit 14 Jahren mit Ludwig von Thüringen verheiratet und hatte mit ihm drei gemeinsame Kinder. Bereits während ihrer Lebensjahre als Landesfürstin begnügte sich Elisabeth nicht mit dem Geben von Almosen, sondern begann im Dienst um Kranke und Bedürftige schwere und von ihren Zeitgenossen als entwürdigend angesehene Tätigkeiten zu verrichten. Ab dem Jahr 1226 half sie persönlich in dem Spital, das sie am Fuß der Wartburg errichten ließ. Die Quellen schildern ihre liebevolle Zuwendung besonders zu kranken, armen und behinderten Kindern. Der Hungerwinter 1225/1226 war Anlass für ihre erste, weithin wahrgenommene Hilfsaktion: Während sich ihr Mann am Hof des Kaisers in Cremona aufhielt, ließ sie in allen Teilen des Landes die landgräflichen Kornkammern öffnen, um die notleidende Bevölkerung zu versorgen. Diejenigen, die noch arbeitsfähig waren, erhielten Arbeitsgeräte und feste Kleidung, um für sich selbst zu sorgen.

Radikal hilfsbereit

Im Laufe ihres kurzen Lebens radikalisierte sich Elisabeth zusehends und geriet damit in Widerspruch zu ihren Verpflichtungen als Landgräfin. Auch ihr Ehemann, der ihrem caritativen Engagement positiv gegenüberstand, sah die exzessiven Selbstgeißelungen und nächtlichen Gebete seiner Frau kritisch und versuchte, diese einzuschränken. Als Ludwig 1227 starb, war Elisabeth der Person beraubt, die sie bislang vor offenen Konflikten mit ihren Verwandten, Hofbeamten und den Vertretern des heimischen Adels bewahrt hatte. Sie geriet zunehmend unter den Einfluss des weltlichen Priesters Konrad von Marburg, dem gefürchtetsten Inquisitor seiner Zeit. Er isolierte Elisabeth vollkommen von ihrer Familie, ihre drei letzten Lebensjahre verbrachte Elisabeth als ärmliche Spitalschwester in Marburg. Ihren Lebensunterhalt verdiente Elisabeth mit dem Spinnen von Wolle für das Kloster Altenberg, in dem ihre jüngste Tochter Gertrud untergebracht war. In dem Spital, das mit einem Teil von Elisabeths Witwenerbe errichtet worden war, verrichtete sie die niedrigsten Mägdedienste. Sie widmete sich besonders der Pflege von Leprakranken, die nach den Begriffen der damaligen Zeit zu den Elendigsten der Elenden zählten und ausgegrenzt am Rand der Gesellschaft lebten. Mit nur 24 Jahren starb Elisabeth von Thüringen in Marburg.

Das Rosenwunder

Die populäre Legende vom Rosenwunder, das heute Elisabeth von Thüringen zugeschrieben wird, bezog sich ursprünglich auf Elisabeth von Portugal. Die Erzählung sagt, dass Elisabeth eines Tages in die Stadt geht, um den Armen Brot zu geben. Da trifft sie die Mutter ihres Mannes (in anderen Versionen ihren Mann selbst), die ihre Barmherzigkeit nicht gutheißt und ihr eine Falle stellen will. Auf die Frage, was sie in dem Korb (andere Versionen: unter der Schürze) habe, den sie bei sich trägt, antwortet Elisabeth, es seien Rosen im Korb. Ihre Schwiegermutter bittet sie, das Tuch zu heben, um die wunderbaren Rosen sehen zu können. Widerwillig hebt Elisabeth das Tuch und im Korb liegen Rosen statt des Brotes für die Armen.
Diese Legende greift eine Skulptur auf, die am Eingang zum Elisabethinum in Axams steht. Sie zeigt Elisabeth mit offener Schürze, umringt von Kindern. Das Elisabethinum ist heute die bekannteste Einrichtung für Kinder mit Behinderungen in Tirol. Mehr als 100 Kinder und Jugendliche besuchen hier den Kindergarten, die Schule, das Tagesheim oder auch das Schulzeitinternat. Für 13 Kinder ist das Elisabethin ihr Zuhause: Sie leben hier ganzjährig, begleitet und unterstützt von bestens ausgebildeten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Immer am 19. November wird der Namenstag der Elisabeth von Thüringen mit einem großen Fest im Elisabethinum gefeiert.