Inspirierende Begegnung vor 800 Jahren: Franz von Assisi und Sultan Al-Kamil

Genau 800 Jahre ist es her, dass sich Franz von Assisi auf eine Reise nach Ägypten machte. Der damals 38-Jährige hatte sich dem „Kreuzzug von Damiette“ angeschlossen. Dieser Krieg hatte die christliche Rückeroberung Jerusalems von den muslimischen Ayyubiden zum Ziel.

Doch Franz von Assisi kam nicht als Soldat nach Ägypten, sondern als Missionar. Franziskus hatte drei Ziele: Er wollte den muslimischen Herrscher Sultan Al-Kamil zum Christentum bekehren und Frieden schaffen. Tatsächlich konnte Franziskus im Herbst 1219 vor dem Sultan predigen, und dieser war sehr beeindruckt von der Begegnung mit dem Bettelmönch. Der Sultan setzte sogar ein Religionsgespräch zwischen Franziskus und islamischen Religionsgelehrten an.
Der respektvolle Dialog zwischen Anhängern verfeindeter Parteien mitten im Krieg war damals so außergewöhnlich wie er es heute wäre. Und auch wenn Franziskus keinen Frieden schaffen konnte – denn der Kreuzzug wurde fortgesetzt – so hat diese Begegnung doch im kulturellen Gedächtnis von Christen wie Muslimen ihre Spuren hinterlassen.

Christen und Muslime achten Franziskus

Bis heute ist Franz von Assisi eine Gestalt, die bei Muslimen Respekt genießt. Und die Orden der Franziskaner, Kapuziner und Minoriten, die auf Franz von Assisi zurückgehen, fühlen sich bis heute dem interreligiösen Dialog verpflichtet.
So ist es kein Zufall, dass das „Weltgebetstreffen für den Frieden“ in Assisi stattfindet. Diese Zusammenkunft von hohen Geistlichen verschiedener Religionen wurde 1986 von Papst Johannes Pauls II. initiiert und hat seither fünfmal stattgefunden.
Und es ist auch kein Zufall, dass der nach dem Heiligen benannte Papst Franziskus als erster Papst überhaupt im Jahr 2019 auf die Arabische Halbinsel reist, um an dieses Treffen vor 800 Jahren zu erinnern.

Brüdertreffen zum Thema Dialog

Auch die deutschsprachigen Orden der Franziskaner, Kapuziner und Minoriten würdigen heuer in zahlreichen Veranstaltungen die wegweisende Initiative ihres Gründers. So findet etwa im Oktober findet ein mehrtägiges Brüdertreffen in Jerusalem statt. Bruder Niklaus Kuster, der das Treffen leitet, sagt dazu: „Das Nebeneinander von Religionen kann zu beidem führen: zu Konfrontation, Ablehnung, Intoleranz und Gewalt oder aber zu Begegnung, gutem Miteinander und inspirierender Freundschaft.“


Das könnte dich auch interessieren