Leben und Arbeiten im Kloster

Wie gestaltet sich das Leben eines Kapuziners im 21. Jahrhundert? Die Antworten darauf reichen vermutlich von „Auch nicht anders als das eines anderen Menschen“ bis „Ganz anders als im bürgerlichen Leben“, je nachdem, wie sehr man einzelne Aspekte des Lebens gewichtet. Wie jeder Mensch haben wir Aufgaben, Hobbies und Freunde. Wir haben ein familienähnliches Umfeld und ein „Zuhause“ – das jeweilige Kloster, in dem wir leben und seine Brüdergemeinschaft. Was anders ist als bei vielen Menschen unserer Zeit: Wir räumen Gott und unserer Gottesbeziehung einen besonders zentralen Stellenwert in unserem Leben ein. Kapuziner-Sein ist unsere Lebensform - wie andere Menschen sich für ein Leben in der Familie, einer Beziehung oder als Single entscheiden.

Gottesbeziehung ist ein zentrales Thema

Da wir Gott und die Beziehung zu ihm in Zentrum stellen, strukturieren die Zeiten für gelebte Spiritualität  unsere Tage und Wochen. Dazu gehören bestimmte Gebetszeiten, Gottesdienste und Tage in der Stille während des Jahres (Exerzitien). Abhängig von unseren Aufgaben versuchen wir diese Gebetszeiten einzuhalten. Unsere (beruflichen) Aufgaben sind verschiedene. Viele von uns gehen geistlichen Berufen nach, doch können Kapuziner auch in fast jedem bürgerlichen Beruf arbeiten. 

>> Videos, in denen Brüder über ihren Alltag erzählen, findet Ihr unter der Serie "Kapuziner? What else!"

Unser Kloster: Zuhause und Gemeinschaft

Unsere Gemeinschaften bestehen normalerweise aus drei bis zwölf Kapuzinerbrüdern. Gemeinsam gestalten wir das Leben zuhause. Wir essen und leben gemeinsam, sitzen immer wieder abends zusammen oder unternehmen etwas in der Freizeit. Wie in jedem anderen Haushalt gibt es die alltäglichen Abläufe, die erledigt werden müssen: Einkauf, Küche, Reinigung, Garten, Autopflege ... je nach Größe und Altersschnitt unserer Gemeinschaft machen wir möglichst viel selbst. Persönlich bemühen wir uns um eine bescheidene Lebensführung.

Tagesablauf im Kapuzinerkloster (Beispiel)

   
07:00 Laudes (Morgengebet)
07:30 Hl. Messe
08:00 Frühstück
anschl: Arbeit/ Beruf oder sonstige Aufgaben
11:45 Mittagsgebet
12:00 Mittagessen
anschl: Arbeit/ Beruf oder sonstige Aufgaben
18:15 Vesper (Abendgebet)
18:30 Abendessen
20:15 Rekreation (Gemütliches Zusammensein); Zeit für sich ...
   

Ins Kloster eintreten

Woher weißt du als interessierter junger Mann, ob das Leben als Kapuziner das Richtige für dich ist? Zunächst: Die meisten wissen es nicht von Anfang an. Berufung ist etwas, das sich klären muss und wächst. Es ist wie ein Hinspüren, das Gefühl, es könnte passen, das sich an der Praxis bewährt. Wenn heute Interessenten zu uns kommen, verbringen sie meistens zunächst einige Tage in verschiedenen Klöstern. Wer sich für das Leben im Orden interessiert, wird begleitet, vor und auch während der Ausbildungszeit. Du musst dich also nicht von Anfang an festlegen, sondern es gibt verschiedene Schritte in der Entscheidungsfindung, auch nach dem „offiziellen“ Eintritt ins Noviziat. Dies gibt dir Freiheit auf dem Weg mit uns. 

Mehr zum Thema: Eintritt ins Kloster – Eintritt in den Kapuzinerorden

Daheim ist die ganze Welt – hier und anderswo

Wir Kapuziner sind eine internationale Gemeinschaft. Weltweit gibt es uns in ca. 120 Ländern. In vielen unserer Klöster leben Brüder verschiedener Herkunft zusammen und auch manche unserer Mitbrüder leben im Ausland. Zum Teil wurden Kapuziner vor Jahrzehnten als Missionare in andere Erdteile geschickt und wirken bis heute dort. Zum Teil studieren Brüder dieser ehemaligen Missionen auf dem Gebiet unserer Provinz. Durch fixe Provinzpartnerschaften verstärken auch einige Brüder aus anderen Provinzen unsere kleiner werdenden Gemeinschaften. Unsere Provinz hat historisch besondere Verbindung zu Bulgarien, Indonesien, Madagaskar und Polen. Neuere Partnerschaften gibt es mit Indien und der Slowakei.

Sensus für soziale oder gesellschaftliche Nöte

„Hingehen, wo wir gebraucht werden“ ist ein Schlagwort, das immer wieder in Hinblick auf unsere zentrale Aufgabe genannt wird. Das kann vieles bedeuten: In unserer Gemeinschaft arbeiten Mitbrüder mit Randgruppen, als Gefängnis- oder Krankenhausseelsorger oder aber auch mit Jugendlichen, die auf der Suche nach „spiritueller Nahrung“ zu ihnen gekommen sind.
Jeder Mensch hat andere Stärken und Begabungen, daher wird er auch in verschiedenen Situationen gebraucht. So gehört es zum Kapuzinerleben, dass man nicht in einem Kloster bleibt, sondern nach mehreren Jahren wieder an einen anderen Standort der Provinz „versetzt“ wird. Als Kapuziner tritt man nicht in ein bestimmtes Kloster, sondern in eine Provinz ein, der verschiedene Klöster angehören.


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