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Kapuziner Österreich-Südtirol

Glaube, Macht, Vergänglichkeit – Neues aus der Kapuzinergruft

„Betet für mich und mein Österreich!“

Dieser Satz wird Kaiserin Anna im Jahr 1617/18 zugeschrieben. Anna ist die Stifterin der Kapuzinergruft und ihr Auftrag steht auch am Beginn der Geschichte dieses einzigartigen Kulturdenkmals. Seit 1657 (Ferdinand III.) ist die Gruft die Begräbnisstätte der Familie Habsburg. Ein Friedhof, der seit jeher (mit Unterbrechungen) öffentlich zugänglich war, doch seit den 1950er Jahren vor allem touristisch entdeckt wurde. Und in Kaiserin Annas Auftrag stecken gleichzeitig Reiz und Spannung, mit der die Kapuziner als Hüter dieses Friedhofes unter dem Wiener Kloster seit Anbeginn konfrontiert sind. Bis zu 220.000 Menschen besuchen mittlerweile jährlich die Kapuzinergruft. Wie gestaltet man diesen Betrieb und wahrt gleichzeitig die Würde der Begräbnisstätte?
In der letzten Aprilwoche wurden Renovierungsarbeiten abgeschlossen, die genau dieses Anliegen unterstützen sollen. Zusätzlich sollen sie die Besichtigung für die Besucher angenehmer, einfacher und eben „Gruft-gerechter“ gestalten. Eine zentrale Rolle spielt dabei der Eingangsbereich der Gruft, der den Übergang zwischen „draußen und drinnen“, also dem Alltag und Wirbel der Großstadt Wien und dem Friedhof schaffen soll.

Ein ruhigerer Eingangsbereich

Der Neue Markt, der Platz vor dem Wiener Kapuzinerkloster, wird zur Zeit von einer Großbaustelle beherrscht. Hier soll in den nächsten drei Jahren eine Tiefgarage entstehen. Betritt man den Eingangsbereich der Gruft, wird es schlagartig ruhig. Das war nicht immer so. Bis letzten Oktober befand sich hier eine automatische Schiebetür und ein kleines Kassenhäuschen. „Es war eine Situation wie in einem Kaufhaus!“ erläutert Peter Grubits, der Geschäftsführer der Kapuzinergruft zusammen. „Die Schiebetür war wegen des Andrangs meist offen und ließ den Lärm und die Hektik der Straße herein. Es war zu wenig Platz zum Warten, besonders für Gruppen, was automatisch einen Stressfaktor für die Gäste dargestellt hat. Ganz abgesehen von der Arbeitssituation für die KollegInnen an der winzigen Kasse.“
Bei der Neugestaltung des Eingangsbereichs wurden mit einer neuen Eingangstür auch gleich getrennte Wege für Ein- und Ausgang aus der Gruft geschaffen. Möglich wurde das durch die Nutzung der bereits vorhandenen Prozessionsstiege, die ja gleichzeitig den ursprünglichen Zugang darstellt. Der Kassabereich selbst wurde ebenfalls den Anforderungen der Zeit angepasst. Drei Bauphasen und 19 Tage Betriebssperre waren notwendig, um die Neuerungen umzusetzen. Mit der Adaptierung des Brandschutzes im letzten Arbeitsschritt wurden diese am 25. April abgeschlossen. Erfolgreich, so sind sich Kapuziner und Gruftpersonal sicher. Peter Grubits: „Die Rückmeldungen sind einhellig positiv. Auch die FremdenführerInnen, die immer wieder hierher kommen, sind begeistern.“

"Kapuzinergruft für Fortgeschrittene"

Peter Grubits gestaltet als Geschäftsführer seit 2011 gemeinsam mit den Kapuzinern die Zugangs- und Besichtigungsmöglichkeiten der Kapuzinergruft. Mit einer klaren Positionierung: „Glaube, Macht, Vergänglichkeit, darum geht es hier. Die Würde eines Friedhofs muss auch bei ständig wachsenden Besucherzahlen erhalten bleiben.“
Mit dieser Haltung stellt sich Peter Grubits in die Tradition bekannter Kapuziner wie P. Gottfried Undesser und anderen, die in den vergangenen Jahrzehnten für die Gruft verantwortlich waren. Jede Zeit hat ihre Weise, Themen neu zu interpretieren und ihre neuen Herausforderungen. P. Gottfried war es zu verdanken, dass die Särge den Lauf der Zeit ohne wesentliche Schäden überstanden haben. Regelmäßige Sanierungsmaßnahmen und die Klimatisierung wurden unter ihm vorgenommen. Auch für die Würde dieses Ortes in einer Zeit der Betriebsamkeit legte er den Grundstein. In den nun vorgenommen Sanierungsmaßnahmen finden diese Bestrebungen ihre logische Fortsetzung.
Weitere Schritte sind bereits geplant: Je besser die BesucherInnen betreut werden, desto leichter ist die Würde des Ortes zu wahren. So wünscht sich das Gruftteam Begleitangebote und – informationen in mehreren Sprachen und einen Ausbau der 2017 begonnenen Sonderführungen „Kapuzinergruft für Fortgeschrittene“.