Interview | Christen in Bewegung | Bruder Marek Król
Kapuziner Österreich-Südtirol

„Wir müssen immer neue Aufbrüche wagen“

Interview mit Bruder Marek Król

Wenn am 30. März die niederösterreichische Landesausstellung in Wiener Neustadt eröffnet wird, steuern auch die Kapuziner eine Reihe Beiträge für Stadt und Region bei. Unter dem Titel „Christen in Bewegung“ wird ab Sonntag, 31. März das Kloster geöffnet und eine Reihe Veranstaltungen organisiert. Der Motor hinter „Christen in Bewegung“ ist Bruder Marek Król, Kapuziner aus Wiener Neustadt. Wir haben ihn im Vorfeld getroffen und ihm einige Fragen gestellt. 

Kapuziner und Landesausstellung – wie geht das zusammen?
Im Jahr 2019 wird die niederösterreichische Landessaustellung Wiener Neustadt und die Region wesentlich mitprägen. Es ist ein zentrales Element unseres Lebens als Kapuziner, mitten unter den Menschen zu sein und ihre Freuden und Sorgen zu teilen - somit wollen wir auch in diesem Jahr etwas beitragen. Aber nicht im Sinne eines „A dabei zu sein“, sondern getreu unserem Auftrag.  

Wie seid Ihr auf „Christen in Bewegung“ als Titel gekommen?

Der Titel der Landesausstellung ist „Welt in Bewegung“ – das hat uns sehr angesprochen. Wir erleben als Ordensleute die Welt als sehr stark in Bewegung – auch die Welt unseres Ordens. Einerseits durch die gesellschaftlichen Entwicklungen, andererseits haben wir als Kapuziner immer wieder einen neuen Aufbruch zu wagen, in neuen Aufgaben, an neuen Orten. Unser Motivator, der Beweger sozusagen, ist Gott. Somit sind wir „Christen in Bewegung“ – und dieser Begriff nimmt all die Menschen in unserem Umfeld mit, denn als Kapuziner sind wir nie allein unterwegs, sondern immer mit zahlreichen Menschen.    

Was planen die Kapuziner in diesem Jahr?
Was mich besonders freut, ist, dass wir in vielen Angeboten das Kloster öffnen und Raum geben für Menschen aus verschiedenen Lebenswelten: Im Garten wird eine Kindereisenbahn fahren, es gibt das Angebot von „Offener Kirche“ mit Live-Musik und Gebet, Tiersegnungen, Führungen im Haus zu verschiedenen Themen. Das ganze wird ergänzt durch zwei große Tagungen, die ebenfalls für alle offen sind: Im März zum Thema Esel und im September zum Thema Schöpfung.

Warum gerade den Esel als Maskottchen?
Der Esel war über Jahrhunderte Begleiter von Bettelbrüdern – im Gegensatz zum Pferd der weltlichen Herrscher und ist so ein Symbol der Bescheidenheit. Für uns Kapuziner gab es beispielsweise Vorschriften, die Reisen zu Fuß zu unternehmen oder mit einem „angemessenen Verkehrsmittel“. Biblisch ist der Esel ein Friedensymbol. Im NÖ Landesausstellungsjahr 2019 werden auch zwei Esel im Klostergarten gehalten.

Was erhofft Ihr Euch von „Christen in Bewegung“?
Ich wünsche mir, dass die Besucher uns als „Christen in Bewegung“ erleben können und auch selbst bewegt werden. Franziskanische Gastfreundschaft hat lange Tradition und der Respekt vor den Besuchern ist uns ein großes Anliegen. Sie sollen Kirche als eine lebendige Gemeinschaft erleben können, die ihre Motivation aus der Begegnung mit Gott nimmt. Ich wünsche mir, dass unsere Freude an der Begegnung mit Gott „ansteckend“ sein kann, sodass unsere Gäste auch für ihr eigenes Leben Inspiration erfahren.


Das Interview wurde im Auftrag der Kapuzinerprovinz Österreich-Südtirol von Sarah Schuller-Kanzian geführt. Fotos: (c) Kapuziner/ R. Judt