Drei Kontinente – ein Glaube

Viel ist die Rede von den kleiner und älter werdenden Ordensgemeinschaften in Mittel- und Westeuropa. Dieser Prozess hat vor Jahrzehnten begonnen – und seit dieser Zeit gehen die Orden auch neue Wege, um ihre Gemeinschaften zu stärken. Im ursprünglichen Wortsinn „katholisch“ – also die ganze Welt umfassend – finden die Orden jenseits von nationalen Grenzen oder Sprachgrenzen Brüder und Schwestern im Geist des Evangeliums. Auch die Kapuzinerprovinz Österreich-Südtirol lebt seit vielen Jahren Kooperationen mit Kapuzinerbrüdern aus drei Kontinenten.

Polen und Österreich-Südtirol

Bereits 1982 hat die damalige Wiener Kapuzinerprovinz eine enge Zusammenarbeit mit der Provinz Krakau aufgenommen. Dieses Miteinander der Provinzen ist bis heute lebendig: Von den derzeit 92 Kapuzinern in Österreich-Südtirol sind 21 polnischstämmig. 15 polnische Brüder leben dauerhaft in der Provinz, sechs Brüder als Gäste. Im Jänner diesen Jahres war Provinzial Bruder Erich Geir zu Besuch in Krakau. „Zur Namenstagsfeier der Krakauer Provinz war ich gemeinsam mit Provinzvikar Bruder Marek Krol in Krakau und durfte beim Festgottesdienst die Predigt halten“, erzählt Bruder Erich. „Mir war es wichtig, die dortige Provinzleitung – allen voran Provinzial Tomas Zak – näher kennen zu lernen und ihnen für die personelle Verstärkung aus Polen seit bald 40 Jahren zu danken. Ich freue mich sehr, dass Krakau uns auch weiterhin unterstützen will.“ Wenn Bruder Erich über das „typisch Polnische“ an seinen Mitbrüder nachdenkt, dann nennt er besonders „ihre Treue zur kirchlichen Tradition, ihre starke Verehrung für Johannes Paul II, für Padre Pio und für das nach Beschreibung der Heiligen Faustyna Kowalska geschaffene Gnadenbild vom Barmherzigen Jesus.“ Und, wie Bruder Erich mit einem Schmunzeln hinzufügt, „auch ihre Heimatverbundenheit zeichnet unsere polnischen Mitbrüder aus. Das zeigt sich auch darin, dass sie gerne Lebensmittel aus der Heimat mitbringen.“
Da die polnischen Brüder durchwegs jünger sind, übernehmen sie in Österreich immer wieder die Funktion der Hausoberen in den verschiedenen Klöstern, und sie sind stark in der Jugendarbeit und in der Berufepastoral engagiert.


Kerala/Indien und Österreich-Südtirol

Die Zusammenarbeit zwischen Kapuzinern aus Österreich und Indien ist ebenfalls dauerhaft und tragfähig. Seit vielen Jahren werden Kapuziner aus der Provinz St. Thomas im indischen Bundesstaat Kerala im Kloster Wien aufgenommen. Sie schließen hier ihre Hochschulstudien ab und erlernen die deutsche Sprache. Derzeit leben drei indische Brüder im Kloster Wien. Die Kapuzinerprovinz St. Thomas hat Bruder Erich Geir 2019 besucht und „um personelle Unterstützung für unsere Provinz durch junge indische Brüder gebeten“, wie Bruder Erich nach seiner Rückkehr erzählte. Ab 2020 will Kerala zwei weitere Brüder nach Österreich senden.


Madagaskar/Afrika und Österreich-Südtirol

Der derzeitige Kapuzinerprovinzial in Madagaskar, Bruder Adonis Tsiarify, wurde in der Kapuzinerprovinz Österreich-Südtirol ausgebildet. Die Zusammenarbeit zwischen Madagaskar und der hiesigen Provinz besteht seit Jahrzehnten, und viele Jahre haben madagassische Kapuziner ihre Studien in Österreich vertiefen können. Nun sind sie bereit, ihrerseits die Provinz Österreich-Südtirol zu unterstützen, wie Bruder Adonis 2019 bei seinem Besuch im Provinzialat in Innsbruck berichtete: „Ich wünsche mir, dass die Zusammenarbeit zwischen den Provinzen weiter besteht. Eines Tages sollen Brüder aus Madagaskar nach Österreich kommen und den Brüdern hier helfen.“ Derzeit lebt ein Bruder aus Madagaskar in der hiesigen Provinz, um seine theologischen Studien zu vertiefen. Ein weiterer Ausbau der Provinzpartnerschaft war auch Gegenstand der Gespräche zwischen Bruder Erich und Bruder Adonis im letzten Jahr.
Hier das vollständige Video mit Provinzial Adonis Tsiarify

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