#Mutmacher Nr. 4

Was gibt Mut? Wer macht Mut? Impulse zum Advent von Schüler*innen - #mutmacher Nr. 4

Salzburg. Bruder Hans Pruckner ist Lehrer. Während des ersten Lockdown hat er mit seinen Schüler*innen zum Thema „Träume“ gearbeitet. „Die entstandenen Texte haben mich so beeindruckt, dass ich sie in unserer Kirche aufgelegt habe!“ erzählt er. „Ich wollte, dass auch andere Menschen Zugang zu ihnen haben.“ Eine fruchtbare Idee: Den Texten folgten zahlreiche Rückmeldungen von oft unbekannten Personen, die Kraft aus den Worten der Schüler*innen beziehen hatten können.

„Das wollte ich fortsetzen! Im Advent geht es nun im Mutmacher und Mutmacherinnen“, so Bruder Hans. Jeden Tag wird ein anderer Text in der Salzburger Kapuzinerkirche aufgelegt. Die Schüler*innen erzählen darin teilweise sehr persönlich, wer für sie so besondere Menschen sind, die ihnen und anderen Mut machen. Einige davon wollen wir auch auf der Kapuzinerwebsite veröffentlichen.


#Mutmacher Nr. 4

"Jeder, der um ein Zeichen bittet, das ihm Mut macht, wird es auch erhalten."

Naja, wir kennen es doch alle, oder? Tage fühlen sich gleich an, Stunden vergehen langsam und die Welt scheint still zu stehen. Besonders jetzt in dieser Zeit. Jeder Mensch hat seine eigene Weise mit Gefühlen umzugehen. Manche schließen diese in sich ein, andere reden mit Menschen, die ihnen wichtig sind oder denen sie zumindest vertrauen und dann gibt es auch noch jene, welche sich an Gott wenden, weil sie wissen, dass dieser immer für sie da ist. Für mich gibt es da genau eine persönliche und schöne Erfahrung im Bezug auf Gott und wie er mir Mut gemacht hat. Vor ungefähr einem Jahr hat sich ein guter Freund von mir dazu entschieden, sein Leben zu beenden. Ich weiß nicht wieso, er hat auch nie etwas davon erwähnt, dass es ihm schlecht gehen würde oder sonst irgendwie mit mir über seine Probleme geredet... Naja, die letzten Monate wurde er immer stiller. Das war aber nicht besonders auffallend, da er nie sonderlich viel geredet hat und eher ruhig war. Wie ich dann von seinem Tod erfahren habe, ist es mir sehr schlecht gegangen und ich habe nach Lösungen dafür gesucht, warum er sich dazu entschieden hat. Allerdings erfolglos. Ein paar Monate später bin ich auf die Idee gekommen, einen Brief an ihn zu schreiben, wobei ich das als sehr komisch empfunden habe, einem Toten einen Brief zu schreiben, weil ich der Meinung war, dass dieser ihn sowieso nicht lesen bzw. hören könnte. Der Schlusssatz war folgender „…ich würde mich sehr über irgendetwas von dir freuen einen Regenbogen oder so, damit ich weiß, ob der Brief bei dir angekommen ist oder nicht.“
Ich habe dann meiner besten Freundin von dem Brief erzählt und wir sind dann gemeinsam auf die Idee gekommen, ihn in einem See zu versenken.

Wir sind also um ca. 22 Uhr mit einem Freund zum See gegangen und haben dort den Brief ins Wasser geschmissen, leider war dies nicht ganz so einfach aber die ganze Geschichte zu erzählen würde zu lange dauern.
Am nächsten Tag regnete es in Strömen und starker Nebel hatte sich bereits in der Früh gebildet. Als am Nachmittag dann plötzlich die Sonne wieder rauskam und auch der Regen mit der Zeit aufhörte, fing mein Handy zu vibrieren an. Es war meine Freundin, die mich anrief und halb ins Telefon brüllte, als sie mir voller Freude verkündete, dass ich mal aus dem Fenster schauen sollte: Und tatsächlich... zwei große Regenbogen hatten sich gebildet. Seitdem weiß ich dass es ihm gut gehen muss und diese Regenbogen haben mir auch wieder Mut gegeben. Und ich denke, dass jeder, der um ein Zeichen bittet oder irgendetwas das ihm wieder Mut machen könnte, derjenige sein Zeichen auch erhalten wird.


[2020/12/18-red]

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