Details: Kapuziner Österreich-Südtirol
schließen

Noviziat an der Wiege der Kapuziner

Neue Wege in der Ausbildung

Salzburg/ München/ Camerino. Mit Bruder Michael Masseo Maldacker hat im Herbst erstmals ein deutscher Novize seine Ausbildung in Camerino, Italien begonnen. Als Erfolg wertet der deutsche Provinzial Christophorus Goedereis diesen Schritt nach den ersten Monaten. Auch die Provinzleitung von Österreich-Südtirol sieht gespannt nach Camerino.

In Europa gibt es zurzeit in zwei Ländern größere Novizenzahlen: In Polen und in Italien. Alle anderen haben eher wenige Ordensberufungen. In den Kapuzinerprovinzen Deutschland, Schweiz und Österreich-Südtirol, die den Ordensnachwuchs seit 1998 gemeinsam ausbildeten, schwankt die gemeinsame Zahl der Einkleidungen zwischen sechs und gar keinen, wie zuletzt im Jahrgang 2015/16. Als nun im Vorjahr der Novizenmeister für eine andere Aufgabe vorgesehen wurde, kein anderer Ausbildner in Sicht kam und es nur einen deutschsprachigen Novizen gab, war für den deutschen Provinzial Christophorus Goedereis klar: „Wir müssen uns neu orientieren - und das kann am Ende nur international sein!“ Wohin also, wo es größere Gemeinschaften gibt? Polen, so Bruder Christophorus weiter, kam aufgrund der Sprache nicht in Frage. Es blieb also „die Wiege der Kapuziner“ – Italien.
Der erste Novize, der 45-jährige deutsche Journalist Michael Maldacker verbrachte daraufhin im Sommer 2019 zwei Monate zum Spracherwerb in Assisi und wurde am 21. September 2019 im Noviziat in Camerino eingekleidet. Eine gute Entscheidung, wie sich Provinzial Christophorus Goedereis heute sicher ist: „Das ist ein ordentliches Noviziat mit neun jungen Leuten. Das gibt eine fröhliche Atmosphäre.“ Es kämen auch immer wieder Brüder aus Assisi oder Rom für eine Woche zum Unterrichten. Darüber hinaus sei Camerino der Ur-Ort der Kapuziner, und das gäbe doch ein besonderes Flair.

Sprachprobleme als spirituelle Erfahrung

In Camerino ist der heurige Noviziatskurs zwar nicht „offiziell“, aber faktisch international besetzt: Neben sechs italienischen Novizen kommt jeweils einer aus Slowenien, Deutschland und dem Libanon. Auch Frankreich hat in der Vergangenheit bereits Novizen nach Italien geschickt, heuer gibt es dort ebenfalls keinen Auszubildenden. Prinzipiell sei der Orden ja international, meint Bruder Christophorus. Da wäre es sinnvoll, mehrere Sprachen zu können. Darüber hinaus sei Deutschland ein Land von Migranten. „Michael merkt zwar hie und da, dass etwas fehlt, doch er sieht es als spirituelle Erfahrung. Er kann sich in die Situation von Migranten jetzt besser einfühlen und auch unsere Missionare verstehen, die in fremden Ländern arbeiten und am Anfang für manche Sprachprobleme sicher belächelt werden.“

Provinzial Erich: „Italien sicher auch eine Option“

Für den Provinzial Österreichs und Südtirols, Bruder Erich Geir sind die Erfahrungen der deutschen Mitbrüder durchaus relevant: „Momentan sind wir noch nicht entschieden. Doch wir schauen uns das an. Und wenn das in Camerino gut funktioniert, ist das in Zukunft sicher auch eine Option.“ In der deutschen Provinz gibt es heuer übrigens drei „Postulanten“ (Erste Ausbildungsstufe der Kapuziner. siehe Ausbildungsschritte). Sie lernen die italienischen Ordensanwärter bereit im Laufe des Jahres kennen und verbringen zwei Sommermonate im Postulat in Sardinien, wo sie auch Italienisch lernen werden. Im Herbst werden dann alle gemeinsam im italienischen Noviziat eingekleidet.

zurück zur Übersicht