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Ostermontag: Der Weg aus Mutlosigkeit und Enttäuschung - Mit Jesus auf dem Weg

Evangelium: Lk 24,13-35

Bruder Robert Prenner aus Meran ist vielen aus der Südtiroler Kirchenzeitung und dem Antoniusblatt ein Begriff. Für den Ostermontag hat er diesen Impuls geschrieben.


Der Weg aus Mutlosigkeit und Enttäuschung. Mit Jesus auf dem Weg

In Gemeinschaften sind Menschen mit einem gemeinsamen Ziel unterwegs. Da ist Achtsamkeit und Offenheit gefragt. Vorbild kann dabei die Emmauserzählung sein (Lk 24, 13 -35).

Die zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus könnte man treffend als „enttäuschte Gläubige“ bezeichnen. Von ihrer Not getrieben, fühlten sie sich, wie andere Gläubige auch, zu Jesus hingezogen. Sie hatten Seine mächtigen Taten gesehen und waren seinem Weg der Liebe gefolgt. Doch dann endete Jesus, ans Kreuz genagelt, zwischen zwei Verbrechern. Die zwei Jünger zögerten nicht und kehrten Jerusalem den Rücken. Unterwegs ,,besprachen sie sich miteinander über all das, was sich ereignet hatte“, berichtet das Evangelium (Lk 24,15).

Miteinander reden

Die Jünger brauchten einander, um zu klagen. Sie ärgerten sich, dass der ,,Fremde“, der sich zu ihnen gesellte, anscheinend nicht wusste, ,,was in Jerusalem in diesen Tagen geschehen ist“ (Lk 24, 18). Die Bereitschaft, miteinander zu reden, öffnete sie langsam für die tiefe Begegnung mit dem Unbekannten, in dem sie später den Auferstandenen erkannten. Gibt es nicht auch heute viele entmutigte und enttäuschte Gläubige, die den Mut zum Reden verloren haben?

,,Die Emmauserzählung ist ein Wegmodell christlicher Gemeindepastoral“, schreibt Helmut Schlegel in seinem Werk ,,Glaubensgeschichten sind Weggeschichten“. Es sei ein großer Schritt, ,,wenn Menschen zum Miteinander-Reden finden“. Die Tragik unserer Tage bestehe nicht darin, dass wir zu wenig miteinander reden, sondern dass wir kaum über unsere Enttäuschungen reden. ,,Eine der vordringlichsten Aufgaben in unseren Gemeinschaften ist, die Hoffnungen und den Glauben, aber auch die Ängste und Zweifel zur Sprache zu bringen“, schreibt Schlegel. So könne Gemeinschaft gestärkt und Vertrauen aufgebaut werden.

Entscheidend sei aber auch, dass die Jünger auf dem Weg Jesus selbst zu Wort kommen lassen. Sie reden nicht nur über ihn, sondern mit ihm. Bemerkenswert ist aber laut Schlegel: ,,Jesus sprach zu ihnen gerade dann, als er ihnen fremd war.“ So könne Jesus auch heute durch ,,Fremde und Außenstehende“ sprechen. Besonders in Situationen der Leere und Mutlosigkeit. Jesus meine uns alle, wenn er fragt: ,,Was sind das für Dinge, über die ihr …miteinander redet?“ (Lk 24, 17). In der Gemeinschaft mit Jesus kann man über alles reden, was einen bewegt, aber über die ,,täglichen Dinge“ hinaus geht es vor allem um unsere Beziehung zu Jesus. Es ist laut Schlegel ,,eine wichtige Erfahrung, wenn Gemeinden am Wort Gottes wachsen. Durch das gemeinsame Hören auf das Wort Gottes, können sie erfahren, dass Jesus selbst in ihrer Mitte lebt“.

Jesus kommt zu Wort

So war es dem ,,Fremden“ gelungen, die Herzen der Emmausjünger zu öffnen. Nachdem sie aber das Dorf erreicht hatten, „stellte er sich, als wollte er weitergehen“ (Lk 24,28). Wie bewegend ist die Weise, wie Jesus sich zu erkennen gab: ,,Er nahm das Brot und segnete es; und als er es gebrochen hatte, reichte er es ihnen“ (Lk 24,30). Da gingen ihnen die Augen auf, sie erkannten ihn (Lk 24,31). Ohne zu zögern kehrten sie nach Jerusalem zurück und erzählten, ,,wie sie ihn erkannt haben, als er das Brot brach“ (Lk 24, 35).

Jesus hat uns seine bleibende Gegenwart versprochen. ,,Wenn das Brotbrechen Erkennungszeichen Jesu ist, dann bietet das auch uns die Möglichkeit, ihn ,zu sehen‘. Daher lebt eine Gemeinde vom gemeinsamen eucharistischen Mahl“, schreibt der Autor. Auf ihn dürfen wir in aller Sorge, Einsamkeit und Angst hoffen. Auch wenn wir manchmal meinen, es gehe nicht mehr weiter. Wir sind wie die Jünger von Emmaus noch unterwegs. Aber wir wissen, da ist jemand, der mit uns geht: Jesus Christus. pr

Helmut Schlegel: Glaubensgeschichten sind Weggeschichten. Die Emmauserzählung als Modell christlicher Existenz. 86 Seiten. Echter Verlag, Würzburg.


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Am Ostermontag zum Beispiel:
Erinnerungen an Momente der Auferstehung festhalten.

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