Ukraine: Hilfeleistung der Kapuziner

Grundinformationen zum Einsatz

Die Kapuzinerbrüder der Kustodie Ukraine bleiben im Land und bieten den Menschen Schutz und Hilfe in ihren Klöstern!
Wir Kapuziner in Österreich unterstützen unsere Mitbrüder fortlaufend und sind im ständigen Kontakt mit ihnen. Derzeit werden zur medizinischen Versorgung dringend Medikamente benötigt!

Kontaktperson: Bruder Marek Król, mail: markus.krol@kapuziner.org

In Österreich organisieren wir Kapuziner daher einen Transport mit Arzneimitteln in die Ukraine.
Gerne nehmen wir Ihre Spende zur Unterstützung entgegen:

Kontoinhaber: Hofkirche
IBAN:
AT42 3600 0005 0066 4615
BIC:
RZTIAT22
Verwendungszweck:
Ukraine-Hilfe


Übergabe Bus zur Verteilung von Hilfsgütern

Dank der großzügigen Spendern an die Kapuziner in Österreich konnten wir einen gebrauchten Bus finanzieren, der nun an die Kapuzinergemeinschaft in Dnjepropetrowsk in der Ukraine übergeben werden konnte. Er wird für die Verteilung von Hilfsgütern und in der Kapuzinergemeinschaft eingesetzt werden.

Bruder Przemek aus dem Kapuzinerkloster Wr. Neustadt hat den Bus an Br. Marek Lisowski überbracht. Die Brüder bedanken sich für Ihre Mithilfe!

Sonntag, 29.05., 23:45, Wien

Nachdem Karin und ich noch zwei Tage gemütlich in Krakau verbracht haben, sind wir gerade wieder in Wien angekommen. Ich habe daher Zeit, die Reise nach Lemberg vom Donnerstag zusammenzufassen:

Die Hinfahrt verlief recht reibungslos. Zwei Stunden Wartezeit an der Grenze sind durchaus im Rahmen, auch wenn sich für mich nicht wirklich erschlossen hat, was genau so lange gebraucht hat, da kaum Autos an der Grenze standen. Den Grenzübertritt merkte man jedenfalls sofort im Fahrgefühl. Verwöhnt von der polnischen Autobahn zur Grenze kamen uns die ukrainischen Straßenverhältnisse noch schlechter vor, als sie ohnehin sind. Ansonsten verlief die ca. 1,5-stündige Wegstrecke in der Ukraine problemlos. Alle paar Kilometer und bei jeder Brücke fuhren wir an militärischen Checkpunkten vorbei, die den Zweck haben, mit Hilfe von Panzerigeln, Sandsack-Stellungen und größeren Befestigungen ein Durchbrechen von russischen (para)militärischen Truppen zu verhindern. Da sich das Kriegsgeschehen mittlerweile in den Osten der Ukraine verlagert hat, sind die meisten Checkpunkte jedoch unbesetzt und wir wurden nur einmal angehalten. Auch fast jede Abzweigung zu Siedlungen (teilweise nur Schotterwege) war mit Sandsackstellungen abgesichert, die vermutlich die Anwohner zu ihrer Verteidigung errichtet hatten.

Bei den Kapuzinern angekommen wurde uns gleich ein herzlicher Empfang bereitet. In der winzigen Küche der kleinen Wohnung, die von drei Kapuzinern bewohnt wird (und spaßhalber „Kloster“ genannt wird), wurden uns bestellte Pizza und Getränke aufgetischt. Nach dem Essen fuhren wir gemeinsam mit Bruder Sergij zu einem Nonnenkloster. Dort trafen wir neben anderen Verantwortlichen auch die Ärztin, die für die Koordinierung der Hilfsgüter zuständig ist. Nach einer Besprechung mit allen Verantwortlichen über die weitere Zusammenarbeit und den Weitertransport der Hilfsgüter in Richtung Osten der Ukraine, luden wir unseren Bus aus und übergaben unsere Lieferung.

Nach einer Messfeier im kleinen Rahmen zeigte uns Bruder Sergij die Innenstadt von Lemberg. Auf den ersten Blick scheint dort das Leben wie gewohnt weiterzulaufen. Die Straßen sind gefüllt mit Menschen, die an liebevoll gestalteten Lokalen mit netten Schanigärten vorbeispazieren; an einer Ecke spielte ein altes Paar Volksmusik mit Akkordeon und Geige. Wenn man näher hinsieht, merkt man jedoch, dass der Krieg auch in Lemberg wie ein Schatten über dem so scheinbar normalen Leben liegt. Seien es die vielen Denkmäler, Statuen oder Kirchenfenster, die mit Sandsäcken und anderen Befestigungen vor der Zerstörung durch Raketenangriffe geschützt wurden, ein von russischen Raketen zerstörtes Haus, große Plakate, die den Krieg thematisieren, Graffitis über den Krieg und vieles mehr. Die Leute, mit denen wir vor Ort sprachen, wollten auch sofort wissen, wie wir über den Krieg denken und ob wir ihnen beistehen würden. Es ist ihnen wichtig, über das Leid zu sprechen, aber auch zu wissen, dass sie nicht allein sind. Besonders betroffen hat mich eine junge Soldatin, die in einer Kirche gebetet hat, in der der gefallenen Soldaten seit 2014 gedacht wird und wo viele Bilder der Gefallenen und Kriegsrelikte ausgestellt sind. Die Art, wie sie dort vor einem Bild des Hl. Nikolaus gekniet und sich fast angeklammert hat, lässt vermuten, welche schwierige Zeit sie gerade zu bewältigen hat. Bruder Sergij war auch sichtlich gerührt und hat die Soldatin noch gesegnet, bevor wir gegangen sind.

Der Spaziergang durch die Stadt hinterließ bei mir gemischte Gefühle. Einerseits hat die Besichtigung der Altstadt mit den zwei Kapuzinerbrüdern wirklich Spaß gemacht (wir waren sogar in einer außergewöhnlichen Kaffeerösterei); andererseits wurde es einem doch bewusst, dass man in einem Land ist, in dem gerade ein sinnloser Krieg herrscht, bei dem die Verwandten und Bekannten der Menschen sterben, denen man auf der Straße begegnet (Lemberg beherbergt auch hunderttausende ukrainische Flüchtlinge aus dem Osten des Landes).

Bruder Sergij wollte uns noch viel mehr von der Stadt zeigen, aber wir mussten ihn auf das nächste Mal vertrösten, da noch unsere Heimreise anstand. Mit vielen Dankesworten im Gepäck traten wir also unseren Heimweg nach Krakau an, welcher sich wegen der Wartezeit an der Grenze als länger erwies als geplant. Erst um 2 Uhr in der Nacht erreichten wir nach etwa acht Stunden Fahrt das Kloster in Krakau. Ehrlicherweise hätte ich es auch nicht viel weiter geschafft, da sich meine drei Stunden Schlaf vom Vortag doch bemerkbar machten.

Das Wichtigste jedoch zum Schluss: Die Hilfsgüter, die mit der Hilfe von so vielen großzügigen Spendern geschickt werden konnten, befinden sich in guten Händen und sind am Weg in den Osten, wo sie derzeit am dringendsten gebraucht werden. Danke für eure Mithilfe!


Freitag, 27.05., 02:00, Krakau

Alles ist erledigt – inklusive wir!

Wir haben unsere Hilfsgüter in Lemberg an die Verantwortlichen übergeben und sind nach einer kurzen Führung durch die Stadt auch wieder nach Krakau zurückgekehrt. Aufgrund der fortgeschrittenen Stunde und Müdigkeit werden ein genauerer Bericht und Bilder nachgereicht.  (Peter)


Donnerstag 26.05., 05:00, Krakau

Munter und ausgeschlafen starten Br Ryszard und ich Richtung Ukraine. (Peter)


Donnerstag, 26.05., 01:00, Krakau

Wir haben das Kapuzinerkloster in Krakau sicher erreicht. Wecker um 4:15 Uhr ist gestellt. (Peter)


Mittwoch, 25.05., 18:30, Wien

Nach der Übergabe des Autos in gewohnt feierlich-festlicher Manier begebe ich mich (gemeinsam mit Karin) zum nächsten Zwischenstopp Krakau. (Peter)


Mittwoch, 25.05., 15:30, Vorau

Gerade habe ich die letzten Medikamente von der Augustinus Apotheke Vorau abgeholt. Ich mache mich jetzt mit der Hilfslieferung auf den Weg nach Wien; von dort aus übernimmt Peter den Weitertransport. (Johannes)


Dienstag, 24.05., 22:30, Vorau

Morgen wird die nächste Hilfslieferung von Österreich in die Ukraine geschickt. Die Lieferung besteht aus medizinischen Gütern für Notfälle (blutstillende Verbände, starke Schmerzmittel, Antibiotika etc.) und konnte durch großzügige Sachspenden und finanzielle Zuwendungen realisiert werden. Da die Kapuziner in Österreich mit den ukrainischen Kapuzinern in ständigem Kontakt stehen, kann genau das geschickt werden, was gerade in den besonders vom Krieg betroffenen Regionen benötigt wird.

Mittlerweile sind die letzten Vorbereitungsarbeiten angelaufen. Eine der wichtigsten Aufgaben ist das Inventarisieren und Beschriften der einzelnen Kartons bzw. Gegenstände. Nur eine vollständige Liste aller Hilfsgüter (auf Ukrainisch) ermöglicht eine reibungsfreie Einreise in die Ukraine. (Heidi)


Sonntag, 02.04., 19:30, Kiew

Vorgestern haben die medizinischen Hilfsgüter, die wir aus Österreich geschickt haben, die Kapuziner in Kiew erreicht. Die Lieferung erfolgte mittels Zug von Lemberg aus und dann weiter mit einem Transporter. Kiew ist für den Großteil der Hilfsgüter das Ziel; die Kapuziner in der Ukraine haben jedoch auch gute Verbindungen zu Klöstern und Krankenstationen weiter im stark vom Krieg betroffenen Osten des Landes und unterstützen diese auch mit Hilfsgütern. Hilfe wird dort geleistet, wo sie am dringensten benötigt wird. (Peter)


Sonntag, 27.03., 23:45, Österreich

Mittlerweile sind alle aus unserer Gruppe wohlbehalten an ihren Wohnorten in Österreich angekommen. Einige zwar weder gesund, noch munter, aber zufrieden. Die vergangene Woche war herausfordernd und zum Teil sehr anstrengend, sie war aber auch eine wichtige Erfahrung für uns. Es sind so viele Eindrücke auf uns eingeprasselt, dass es schwer ist, sie zum jetzigen Zeitpunkt in Worte zu fassen. Die wertvollste Erfahrung war wohl, dass wir unzählige Menschen kennenlernen durften. Einerseits waren es die vielen Helfer, die sich rund um die Uhr aufopfern, um den Geflohenen eine sichere und darüber hinaus möglichst angenehme Weiterreise zu ihren Zufluchtsorten zu ermöglichen; andererseits haben uns die aus der Ukraine geflohenen Menschen durch ihre unerschütterliche Menschlichkeit beeindruckt. Die vielen Frauen, Kinder und alten Menschen trotzen der unbeschreiblich entsetzlichen Situation und haben trotz der eigenen Last und Ängste noch eine helfende Hand für Mitmenschen oder freundliche Worte für die freiwilligen Helfer übrig. Es freut uns, wenn wir diesen Menschen wenigstens eine kleine Erleichterung auf ihrem schwierigen Weg bieten konnten. (Peter)


Sonntag, 27.03., 03:45, Przemyśl

An unserem letzten Arbeitstag durften wir neben unserer Arbeit am Bahnhof auch noch eine andere spannende Unternehmung machen. Hubert, der Leiter der Caritas-Station am Bahnhof, fragte uns, ob wir vielleicht zur Grenze fahren wollen, um dort auf der ukrainischen Seite kleine Hilfssackerl an die geflohenen Menschen auszuteilen, die auf die Einreise nach Polen warten. Selbstverständlich war das Interesse unsererseits sehr groß. Wir packten daher einige Kisten mit Turnsackerl ein, die mit verschiedenen zum Teil wärmenden Hilfsgütern befüllt waren. Vom Parkplatz in Medyka war es noch etwa ein Kilometer zur Grenze, den wir zu Fuß und mit beladenen Einkaufswägen zurücklegten.

Die letzten paar Hundert Meter zur Grenze sind recht chaotisch. Neben dem Fußweg sind links und rechts ein Zelt nach dem anderen aus allen Ländern der Welt aufgestellt, in denen etwa Essen ausgegeben, Informationen erteilt, Tiere gepflegt, oder Menschen medizinisch versorgt werden. Die Sinnhaftigkeit der einzelnen Zelte kann mangels näherem Kennenlernen nicht beurteilt werden, allerdings wird das ganze Camp nicht zentral organisiert, sondern von unzähligen NGOs oder Einzelpersonen betrieben. Es scheint daher zumindest zweifelhaft, ob der Sinn, den Geflohenen wirklich zu helfen und ihnen Sicherheit zu geben, auch wirklich erfüllt werden kann.

Nach den Grenzkontrollen erwartete uns auf der ukrainischen Seite eine ewige Warteschlange aus Geflohenen, die nach Polen einreisen wollten. Wir fuhren mit unseren Einkaufswägen bis zum Ende der Schlange, um insbesondere den Menschen zu helfen, die noch länger auf die Kontrolle warten mussten. Außer einem Stand mit Wasser gibt es nämlich in der Nähe der Warteschlange auch keine weitere Versorgung der Wartenden. Da starker Wind ging, es leicht regnete und immer kälter wurde, durften wir dabei helfen, die Menschen (insbesondere Kinder und alte Menschen) mit Decken und Rettungsdecken zu versorgen.

Nachdem wir alle Hilfsgüter verteilt hatten, gingen wir noch ein Stück weiter zu einem Caritas-Stand, wo wir zwei ukrainische Deutschlehrerinnen kennenlernten. Sie erklärten uns, dass sie bis auf Weiteres in der Ukraine bleiben, um im Gebiet bis Lemberg (Lviv) Menschen zu helfen. Es sei wichtig, dass auch Leute im Land bleiben, um die Menschen vor Ort zu unterstützen. Diese Hilfsbereitschaft der Menschen aus der Ukraine ist überall erkennbar. Ob es Ukrainerinnen waren, die uns in Österreich beim Einpacken der medizinischen Hilfsgüter geholfen haben, die Menschen, die sich gegenseitig bei der Flucht unterstützen oder diejenigen, die aus einem sicheren Land wieder zurück in die Ukraine fahren - der Zusammenhalt ist wirklich beeindruckend und sollte uns als Vorbild dienen. (Peter)


Samstag, 26.03., 01:45, Przemyśl

Impressionen vom heutigen (gestrigen) Arbeitstag. (Peter)


Freitag, 25.03., 00:45, Przemyśl

Heute (eigentlich gestern) war ein verhältnismäßig entspannter Tag am Bahnhof. Die Züge, die aus der Ukraine ankamen, waren nicht so überfüllt wie sonst. Trotzdem war es wieder ein langer Tag, da der letze Zug erst um kurz vor 22 Uhr ankam. Unsere Motivation ist aber nach wie vor ungebrochen – unter anderem wegen der ausgezeichneten Verpflegung vor Ort, die uns gleichermaßen wie den geflohenen Menschen gratis zur Verfügung gestellt wird.

Zum Ende der Schicht ist es mittlerweile obligatorisch, unsere Kehlen mit einer (ausgezeichneten) heißen Schokolade zu erwärmen, bevor wir sie in der Unterkunft dann wieder mit einem anderen Getränk abkühlen. Morgen (heute) starten wir dann wieder um 7 Uhr in unsere Schicht. (Peter)


Donnerstag, 24.03., 22:00, Przemyśl

Inzwischen haben wir uns sehr mit dem Bahnhof als Einsatzort angefreundet. Wir wissen schon in etwa, wo welche Anschlusszüge losgehen und haben auch schon einige Leute kennengelernt, die uns mit Informationen unterstützen können. Die Anzahl der freiwilligen Helfer, die zum Teil aus der ganzen Welt kommen, ist beeindruckend. Besonders ist aber der Einsatz der polnischen Helfer hervorzuheben. Heute habe ich etwa mit ein paar 15-jährigen Mädchen geredet, die seit einem Monat jeden Tag nach der Schule zum Bahnhof kommen, um dort bis zum späten Abend die Geflohenen mit Informationen zu den Anschlusszügen zu versorgen.

Unsere Sprachenkenntnisse sind sicher nicht unsere Kernkompetenz, aber mittlerweile hat jeder von uns ein paar Worte auf russisch oder ukrainisch aufgefasst, mit denen wir uns so weit verständigen können, dass es zumindest glaubhaft wirkt, dass wir uns auskennen. Wir scheuen uns auch nicht davor, Hände und Füße zur Kommunikation einzusetzen. (Peter)


Donnerstag, 24.03., 13:45, Lemberg (Lviv)

Die medizinischen Hilfsgüter aus Österreich sind gestern Abend in Lemberg angekommen und wurden Bruder Sergei übergeben. Der Weitertransport erfolgt, wie schon von Krakau weg, über die Kapuziner. (Peter)


Donnerstag, 24.03., 12:15, Przemyśl

Der um 2 Uhr erwartete Zug aus der Ukraine ist nicht gekommen; auch der um 9 Uhr nicht. Ob und wann Züge kommen, ist meist eine Überraschung. In der Zwischenzeit versuchen wir, uns an verschiedenen Orten nützlich zu machen. So müssen etwa sämtliche Decken und Polster, die in der Notschlafstelle der Caritas verwendet werden, täglich in die Wäscherei gebracht und später wieder abgeholt werden. (Peter)


Mittwoch, 23.03., 23:15, Przemyśl

Da gestern unsere Hilfe bis in die Nacht gebraucht wurde, starteten wir heute erst später in den Arbeitstag. Dem Problem, dass an einigen Schlafplätzen (Gang) nach 7 Uhr kein ruhiges Schläfchen mehr möglich war, wurde mit Kreativität begegnet (siehe am Bild Florian).

Später waren wir alle gemeinsam am Bahnhof. Da der erste Zug aus der Ukraine nicht vor 17 Uhr zu erwarten war, nutzten wir die Zeit, um den Bereich der Caritas für Frauen und Kinder etwas funktionaler umzugestalten. Es fand sich darüber hinaus heute zum ersten Mal die Zeit, die Gitarre auszupacken und die anwesenden Personen mit typisch österreichischer Musik (sog. Hodan) zu kultivieren.

Die Situation am Bahnhof ist derzeit nicht so angespannt wie gestern, da heute nur ein einziger Zug aus der Ukraine ankam. Allerdings wird vermutet, dass gegen 2 Uhr in der Früh ein Zug eintreffen wird, weshalb wir uns jetzt zur Ruhe legen werden (in der Hoffnung, dass wir vielleicht doch nicht aufstehen müssen). Zu unserer Schlafsituation muss nämlich auch positiv angemerkt werden, dass wir heute Abend ein Zimmmer bekommen haben und daher nicht mehr am Gang schlafen müssen. Das sollte die Schlafqualität hoffentlich deutlich erhöhen. (Peter).


Mittwoch, 23.03., 13:30, Krakau

Bruder Tomasz Zak macht sich mit den medizinischen Hilfsgütern auf den Weg in die Ukraine. (Peter)


Mittwoch, 23.03., 12:30, Przemyśl

Gestern waren wir von 8 - 23 Uhr im Einsatz. Während zwei von uns im Erstaufnahmezentrum in der Küche geholfen haben, war der Rest wieder am Bahnhof.

Unsere Arbeitszeiten sind grundsätzlich grob vorgegeben, allerdings ergibt es sich oft so, dass zusätzliche Arbeitskräfte benötigt werden, und wir deshalb gerne länger helfen. Das Hauptproblem ist, dass es nicht abschätzbar ist, wann die Züge aus der Ukraine ankommen. Oft kommen die Züge erst mehrere Stunden später an, als sie zu erwarten gewesen wären. Auch die Züge in die weiteren Destinationen sind nicht immer vorhersehbar, da oft auch Sonderzüge für die geflohenen Menschen eingerichtet werden. Gestern war am Bahnhof viel los, weil drei Züge aus der Ukraine mit jeweils bis zu 2000 Menschen angekommen sind. Für diese Menschen müssen individuelle Lösungen erarbeitet werden, damit sie auch wirklich an die Orte kommen (über die ganze Welt verteilt), zu denen sie müssen. Meistens wissen die Geflohenen schon, wo sie hin wollen, da sie dort Verwandte oder Bekannte haben, allerdings kommt es auch oft vor, dass sie überhaupt nicht wissen, wo sie als nächstes unterkommen werden.

Unsere Aufgabe ist es, die Menschen bestmöglich zu unterstützen. Das beinhaltet unter anderem die Hilfe bei der Überwindung der vielen Stiegen (Tragen von Gepäck, Kinderwägen, Menschen mit Behinderung etc.) und die Vermittlung von Lösungen (weitere Verbindungen, Verpflegung, Schlafplatz etc.). Besonders schwierig war es gestern, den Menschen zu helfen, die mit dem Zug aus der Ukraine um etwa 21:00 Uhr eingetroffen sind. Durch die große Anzahl an Menschen und die kaum vorhandenen Anschlusszüge zur Weiterverteilung, sind viele Frauen mit kleinen Kindern oder alte Menschen im Bahnhof gestrandet und es musste irgendwie ein Schlafplatz für sie gefunden werden.

Am Bahnhof gibt es zwei Räume, die als Notschlafquartier für Frauen und Kinder eingerichtet sind. Wir haben viel mit dem Quartier der Caritas Polen zu tun, die sich ausgesprochen liebevoll um die Menschen kümmern. Leider waren die Quartiere gestern alle heillos überfüllt, weshalb viele Menschen die Nacht in der Bahnhofshalle auf Sesseln oder am Boden verbringen mussten.

Im Vergleich zu den Zügen um frühere Uhrzeiten merkte man die Verzweiflung der Menschen und die Angst, keinen Platz zu haben, wo sie die Nacht verbringen könnten, deutlich. Durch die vielen Helfer konnten aber für die meisten Menschen (insbesondere für die besonders vulnerablen Gruppen) der Situation entsprechend brauchbare Lösungen geschaffen werden. Die Menschen sind überaus dankbar für jede Hilfe, die sie bekommen, und drücken das auch gerne aus: es ist das Lachen von Kindern, die vielen Händedrücke und Dankesworte der Familien oder Küsse einer Großmutter, die einem zeigen, dass es den Menschen viel bedeutet, wenn man ihnen hilft (und wenn es nur ein paar Handgriffe sind). Umso herzzerreißender ist, wenn diese Menschen erzählen, was sie in den letzten Wochen durchmachen mussten und wie viel Angst sie um ihre Familie und Freunde haben, die nach wie vor im Kriegsgebiet bleiben (müssen). (Peter)


Mittwoch, 23.03., 02:30, Przemyśl

Die Sachspenden aus Österreich werden sehr gut gebraucht und verwendet. Wir haben die Spenden am Sonntag bzw. Montag an die Caritas Polen übergeben. Die Caritas betreibt einen Bereich im Bahnhof Przemyśl, in dem unter Tag ein Ruhebereich und ein Spielbereich für Kinder betreut wird und der in der Nacht als Schlaflager für Frauen und Kinder eingerichtet ist. Unsere Hilfsgüter konnten/können sowohl am Tag als auch in der Nacht sehr gut eingesetzt werden: Die Süßigkeiten, das Spielzeug, die Stofftiere und die Hygieneprodukte, die wir mitgebracht haben, werden zur freien Entnahme aufgestellt und bereiten den Kindern bzw. auch den Erwachsenen eine große Freude. Die Kinder werden dadurch auch ein wenig von der Situation abgelenkt. Die Decken werden für das Nachtlager verwendet und nach jedem Gebrauch in die Wäscherei gebracht. Besonderen Anklang haben dabei die selbst gemachten Strickdecken aus Vorau und Wenigzell gefunden. Die polnischen Helferinnen waren von der handwerklichen Qualität und den schönen Farben schlichtweg begeistert.

Leider kann ich hier keine Fotos von den geflohenen Menschen hineinstellen, wie sie sich über die Hilfsgüter freuen, weil es besser ist, sie in dieser schwierigen Situation nicht zu belästigen. (Peter)


Montag, 21.03., 23:45, Przemyśl

Heute waren wir an zwei verschiedenen Einsatzorten eingeteilt. Im Erstaufnahmezentrum schenkte eine Gruppe Tee und Kaffee aus und half bei der Desinfektion aller oft berührten Oberflächen (um der Weiterverbreitung von Keimen möglichst vorzubeugen); am Bahnhof unterstützte die zweite Gruppe dabei, die Geflohenen von den Zügen aus der Ukraine zu ihren weiteren Verbindungen zu anderen Destinationen zu bringen. Die Hauptaufgabe war dabei, das oft sehr schwere Gepäck der Menschen Stiegen auf und ab zu tragen. Dazu muss gesagt werden, dass der Bahnhof leider sehr kompliziert konzipiert ist und über keine Aufzüge oder Rolltreppen verfügt. Vom Bahnsteig, wo die Züge aus der Ukraine ankommen, bis zum Bahnsteig, von dem die Abfahrt stattfindet, müssen die Geflohenen sechs Treppen besteigen. Wir hatten heute somit sehr viel mit den Menschen aus der Ukraine zu tun. Fast alle Geflohenen sind Frauen mit (kleinen) Kindern bzw. ältere Personen. Wir waren wirklich berührt und beeindruckt von der Freundlichkeit und Durchhaltefähigkeit, die die Menschen trotz ihrer schlimmen Situation ausstrahlen. Viele Frauen kümmerten sich gleichzeitig um mehrere Kinder und ältere Personen, während sie das meiste Gepäck alleine schleppten. Wir haben uns sehr gefreut, dass wir ihnen zumindest die Last des Gepäcks abnehmen konnten. (Peter)


Sonntag, 20.03., 22:00, Przemyśl

Unser Quartier befindet sich im obersten Stock eines Ambulatoriums und stößt an seine Kapazitätsgrenzen. Wir haben es uns den Umständen entsprechend fein im Gang eingerichtet. Das Problem mit unerhofftem Lichteinfall aufgrund der Bewegungsmelder wurde noch nicht vollständig gelöst. (Peter)


Sonntag, 20.03., 20:00, Przemyśl

Das Erstaufnahmezentrum in Przemyśl ist in einem ehemaligen Einkaufszentrum untergebracht. In den leerstehenden Geschäften sind Schlafplätze für die Geflohenen, warme Verpflegung, medizinische Versorgung usw. eingerichtet. Nach unserer Registrierung als "Volunteers" wurden uns sofort Tätigkeiten zugeteilt. Eine Gruppe wurde in einem riesigen Lager zur Sortierung der Spenden eingeteilt; eine andere half bei der Reinigung. Freiwillige Helfer werden dringend gebraucht und gerne gesehen. (Peter)


Sonntag, 20.03., 16:00, Przemyśl

Ankunft beim Erstaufnahmezentrum in Przemyśl. (Peter)


Sonntag, 20.03., 13:00, Krakau

Den Vormittag haben wir dafür genutzt, die heilige Messe zu feiern, die medizinischen Hilfsgüter zu übergeben und uns von Bruder Marek die Altstadt von Krakau zeigen zu lassen. Nach einer Stärkung mit traditionell polnischem Essen (Döner) befinden wir uns nun am Weg zu unserem Einsatzort Przemyśl. (Peter)


Sonntag, 20.03., 11:00, Krakau

Soeben haben wir 30 Bananenschachteln, randvoll gefüllt mit medizinischen Hilfsgütern, an Bruder Tomasz Zak übergeben, der für den Weitertransport derselben in die Ukraine zuständig ist. Der nächste Transport wird voraussichtlich in den kommenden Tagen erfolgen. (Peter)


Samstag, 19.03., 21:30, Krakau

Beide Gruppen sind gut in Krakau angekommen und die Busse wurden sicher im Kapuzinerkloster abgestellt. Unser restliches, gemeinsames Abendprogramm kann als "franziskanische Rekreation" bezeichnet werden. Ende des 19. Märzen. (Peter)


Samstag, 19.03., 15:00, Wr. Neustadt

Nachdem der Rest der Mannschaft in Wr. Neustadt eingetroffen ist und die übrigen Hilfsgüter verstaut wurden, macht sich auch die zweite Gruppe auf den Weg Richtung Polen. An Bord sind fünf beherzte Burschen und so viele Decken wie im Bus Platz haben. Das Heck liegt tief, die Motivation steht hoch. (Johannes)


Samstag, 19.03., 10:00, Wr. Neustadt

Nach einer kleinen Stärkung mit Kaffee und Kuchen im Kapuzinerkloster macht sich die erste Gruppe von Wr. Neustadt aus auf den Weg nach Polen. Unser Bus ist bis zur Decke vollgepackt mit medizinischen Hilfsgütern; unser Gepäck hat gerade noch Platz gefunden. Die Motivation ist hoch! (Peter)


Freitag, 18.03., 22:30, Wr. Neustadt

Die vergangene Woche war von Vorbereitungsarbeiten für den Einsatz geprägt. Neben der Organisation des Einsatzes drehte sich alles um das Sammeln von Spenden, die einerseits an der Grenze, andererseits direkt in der Ukraine benötigt werden. Für die Versorgung der Flüchtlinge an der Grenze wurden Sachspenden wie Decken und Hygieneartikel, sowie kleines Spielzeug und Süßigkeiten für Kinder gesammelt. Für die Krankenstationen der Kapuziner in der Ukraine wurden medizinische Hilfsgüter sowohl als Sachspenden gesammelt, als auch über die Augustinus Apotheke Vorau von den großzügigen finanziellen Zuwendungen der vielen Unterstützer erworben.

Auf diese Weise konnten wir so viele Hilfsgüter sammeln, dass in den zwei Kleinbussen, mit denen die Gruppe morgen aufbrechen wird, kaum noch Platz für eigenes Gepäck ist. Damit die Menschen vor Ort die Sachspenden bei Bedarf sofort verwenden können, verbrachten einige Helfer die ganze Woche damit, Hilfsgüter zu sortieren, zu verpacken, zu inventarisieren und zu beschriften. Heute Abend wurde alles ins Kapuzinerkloster Wr. Neustadt transportiert und für die morgige Abreise vorbereitet.

Ich wünsche der Gruppe eine gute Reise und Gottes Segen! (Heidi)


Freitag, 18.03., Innsbruck

Pax et Bonum!

„Frieden und Gutes!“ lautet unser franziskanischer Leitspruch. Was aber, wenn Krieg in Europa herrscht?

Vor einigen Tagen hat mich eine Nachricht der Polnischen Ordenskonferenz erreicht, dass sich die Ordensgemeinschaften um verlässliche junge Menschen aus ihrem Umfeld umschauen sollen, die bereit sind, zumindest 5 Tage durchgehend an der polnisch-ukrainischen Grenze bei der Versorgung und Betreuung der aus der Ukraine geflohenen Menschen zu helfen. In kurzer Zeit haben wir zwei Gruppen junger Männer zusammengehabt, die von zwei Kapuzinern begleitet werden (19.-27. März). Während der Vorbereitung dieses Einsatzes, hat uns ein Hilferuf unserer ukrainischen Mitbrüder erreicht, die ein Lazarett in Kiew im Kloster eingerichtet haben und auch bei der Versorgung anderer medizinischer Einrichtungen im Osten helfen. Sie haben um medizinische Hilfe gebeten:

„Kiew ist von mehreren Seiten durch russische Truppen und ihre Söldner blockiert. Die Stadt kann nur noch aus einer Richtung erreicht werden. Daher ist die Lieferung von Lebensmitteln und Medikamenten in die Stadt sehr schwierig. Einige Medikamente sind in Kiew bereits nicht mehr zu bekommen. Einige sind bereits in der gesamten Ukraine nicht mehr erhältlich, und selbst im benachbarten Polen sind sie nur schwer zu bekommen. Außerdem brauchen wir medizinische Ausrüstung, um Leben zu retten.“

Der Bitte war eine Liste an benötigten Materialien, Medikamenten etc. beigefügt. So haben wir begonnen, gezielt das zu sammeln, was entweder für den Einsatz an der Grenze oder an medizinischer Hilfe in der Ukraine benötigt wird. Diese Hilfsgüter werden von uns nach Polen gebracht und dann von Kapuzinern an die Bestimmungsorte weitertransportiert. Bereits an dieser Stelle möchte ich mich bei all jenen bedanken, die uns dabei unterstützt haben: Spender, ehrenamtliche Helfer, Pfarren, Apotheker, Vereine u.v.m.

Wir alle sind über die Ereignisse in der Ukraine erschüttert und fühlen uns ohnmächtig. Was mir jedoch Freude bereitet: Europa rückt näher zusammen. Die Menschen wollen helfen. Danke!

Eine Bitte liegt mir am Herzen: Beten Sie um den Frieden in der Ukraine und hören Sie nicht auf, Gutes zu tun!

Br. Marek Krol OFMCap

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