Wahlkapitel aus Pandemiegründen abgesagt

Nach einer Befragung der Brüder wird eine neue Provinzleitung von der Generalleitung ernannt.

Innsbruck/ Salzburg/ Rom. „Da sich die Situation der Corona-Pandemie weiter verschärft, hat die Provinzleitung in Absprache mit Generalminister Br. Roberto Genuin entschieden, das am 26.-29.10.2020 geplante Provinzkapitel in Salzburg abzusagen. Beim Generalminister wurde daher um Konsultation und Ernennung der neuen Provinzleitung ersucht.“ So die Mitteilung des Provinzials vom Dienstag, 13. Oktober. Außergewöhnliche Umstände erfordern außergewöhnliche Maßnahmen. Vor uns liegt ein Szenario, das es so in 400-jährigen Geschichte der Kapuziner Österreich-Südtirols noch nicht gab: Onlinekonferenz und eine schriftliche, von Rom aus organisierte Kandidatensondierung mit anschließender Ernennung einer neuen Leitung. Eine Entscheidung wird spätestens Anfang Jänner erwartet.

„Unsere Partnerprovinzen in Kerala, Indien und in Madagaskar haben bereits eine ähnliche Vorgangsweise erlebt!“ erklärt Provinzial Bruder Erich Geir. „Ebenso viele andere Provinzen überall auf der Welt! Für die Generalleitung ist das also nichts Neues!“ Die Brüder der Provinz hingegen betreten Neuland: Drei Jahre dauert die Funktionsperiode eines Provinzials und seines Rates. Im Juni 2017 wurden Bruder Erich und sein Provinzrat gewählt. Das für Juni 2020 angesetzte Wahlkapitel wurde aufgrund von Corona bereits einmal verschoben und auf Ende Oktober verlegt. Nun musste also auch der Ersatztermin aufgrund der Pandemie abgesagt werden. Zu riskant wäre ein Treffen der Brüder. Ähnliche Situationen kennen die Kapuziner nur aus Notzeiten: In den Weltkriegen oder unter Joseph II. kam es vor, dass Kapitel aufgrund der Bedrohung ausgesetzt oder Funktionsperioden verlängert wurden.

Sondierung und Ernennung

Konkret heißt das nun, dass die Generalleitung der Kapuziner in Rom sich der Sache annimmt und eine Art Stimmzettel an alle wahlberechtigten Brüder verschickt. Jeder einzelne soll Provinzial und Provinzräte vorschlagen. Alle Meinungen gehen verschlossen zurück nach Rom. Die Generalleitung sichtet alle Vorschläge und ernennt im Anschluss Provinzial und Provinzrat. Normalerweise muss bei den Kapuzinern die Provinzleitung mit absoluter Mehrheit gewählt werden. Bei Präsenzkapiteln bedeutet das: Es wird so lange gewählt, bis ein Kandidat die absolute Mehrheit hat. Beim Vorgang „Sondierung und Ernennung“ handelt es sich nicht um eine Wahl im eigentlichen Sinn. Die Generalleitung ist nicht an das Ergebnis der Sondierung gebunden, wiewohl üblicherweise die Meinung der Brüder berücksichtigt wird.
Wie lange es nun bis zum Feststehen der neuen Provinzleitung dauert, ist noch nicht klar. Bruder Erich: „In unseren Partnerprovinzen waren es ein bis zwei Monate. Wir hoffen, dass wir spätestens im neuen Jahr eine Entscheidung vorliegen haben.“ Parallel zum Vorgang der Sondierung soll eine virtuelle Konferenz organisiert werden, um sich über Sachthemen auszutauschen.

Kapitel: Oberstes Entscheidungsgremium seit Franz von Assisi

Ein Provinzkapitel ist seit seiner Einführung durch Franz von Assisi weitaus mehr als eine reine Wahl. Es ist das oberste Entscheidungsgremium einer Provinz, bei dem man zusammenkommt, über wichtige Themen berät und einander über die Arbeitsbereiche auf den Stand der Dinge bringt. Es ist ein wichtiger sozialer Punkt im Leben der Provinzgemeinschaft, da selten so viele Brüder aus allen Provinzteilen zusammenkommen. Bei der Wahl selbst besteht Wahlpflicht. Nur Krankheit, mangelnde Mobilität aus Altersgründen oder ähnliches sind Gründe, sich von einer Teilnahme zu entschuldigen.

[2020/10/14-red]

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