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Wie wir Zusammenarbeit gestalten

Visitation – Supervision – Qualitätsmanagement: Geistliche Orden und weltliche Unternehmen verbindet in der Organisation mehr als wir wissen

Innsbruck/Rom. Sie wirken manchmal wie aus der Zeit gefallen, die Regelungen und Vorgehensweisen in geistlichen Orden – und doch kennen wir ähnliche Instrumente auch aus unserem beruflichen Alltag, allerdings unter anderem Namen: „Der Provinzial kommt zur Visitation ins Kloster“ - das hört sich für viele streng und fremdbestimmt und veraltet an. „In meinem Unternehmen gehört die Teilnahme an Supervisionen zum Alltag“ – Diesen Satz dagegen sprechen viele ganz selbstverständlich, ja, sogar mit Zufriedenheit aus.

Reflexion anregen und Qualität des Miteinanders verbessen

Dabei meinen das scheinbar veraltete „Visitation“ und das zeitgemäßere „Supervision“ nahezu dasselbe. Nicht umsonst haben beide Begriffe den gleichen Wortstamm: Es geht ums Sehen, um Einblick und Einsicht und um Überblick und Draufschau.
Die Visitation ist in vielen Ordensverfassungen der Besuch eines Oberen mit Aufsichtsbefugnis zum Zweck der Bestandsaufnahme und Normenkontrolle. Die in vielen Unternehmen übliche Supervision ist eine Form der Beratung für Mitarbeiter, die zur Reflexion eigenen Handelns anregen und die Qualität der Arbeit sichern und verbessern soll.

Auch in der kirchlichen Visitation geht es um den Abgleich von Bildern – was wollen die Ordensangehörigen vor Ort, was will die Ordensleitung – und um die gemeinsame Ausrichtung aller auf ein verbindliches Ziel.
Die kirchliche Visitation ist also im Grunde eine Qualitätskontrolle in anderem Gewand.

Visitation: Einmal pro Funktionsperiode

Auch der Kapuzinerorden kenn diese Form Qualitätsüberprüfung: Der Provinzial sucht, wie es die Ordensverfassung – also quasi das Firmenstatut – vorsieht, regelmäßig alle Niederlassungen seiner Provinz zur Visitation auf. Neben diesen ordentlichen Einschauen finden auch außerordentliche Visitationen statt. Der Generalminister – der Ordensobere der Kapuziner weltweit – ist mit Visitationsvollmacht ausgestattet, und kann jede Provinz auch über die regulären Visitationen hinaus aufsuchen, wenn es ihm erforderlich erscheint.

Dieses Instrument kennen wir ebenfalls aus dem weltlichen beruflichen Alltag: Es gibt etliche, Einschau haltende Instanzen, die – zum Teil auch unangemeldet – Firmen kontrollieren: etwa Arbeitsinspektoren, Wirtschaftsprüfer, Steuerbehörden und andere staatliche Aufsichtsgremien.
Bei genauem Hinschauen zeigt sich also, dass in den scheinbar so hierarchisch organisierten Klostergemeinschaften und den scheinbar so eigenbestimmten weltlichen Unternehmen ganz ähnliche Maßnahmen gesetzt werden, um Qualität sicherzustellen. Und in beiden Organisationsformen tun Vorgesetzte gut daran, ihre Entscheidungen im Dialog mit den Mitarbeitern zu treffen – das gilt für die Orden genau so wie für amazon oder den örtlichen Malermeister.

Corona-Update März:

Derzeit gilt auch in all unseren Klöstern die Regel des "Social Distancing". Wir befolgen die Anordnungen von Bischofskonferenz, Diözese und Regierung. Wir freuen uns sehr, wenn wir nach Ende der Massnahmen wieder auf die übliche Weise für Euch da sein können.
>> Infos zu Kapuziner und Corona

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