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Zum Reformationstag: Kapuziner und Ökumene

Wie verhält sich der gegenreformatorische Orden heute gegenüber anderen Konfessionen?

Innsbruck/Bozen/Feldkirch/Meran. Am 31. Oktober feiert die evangelische Kirche den Reformationstag. Angeblich war es der Tag vor Allerheiligen, an dem Martin Luther seine 95 Thesen 1517 in Wittenberg an die Tür seiner Kirche schlug und so den ersten Schritt in Richtung Reformation setzte. Auch wenn der genaue Hergang der Veröffentlichung von Luthers Thesen heute strittig ist, ist der Reformationstag eine gute Gelegenheit, einmal näher hinzuschauen: Wie sieht es bei den Kapuzinern als Orden der Gegenreformation heute mit ökumenischen Kontakten aus? In zahlreiche Gebiete wurden sie schlussendlich von den katholischen Landesherren gerufen, um den katholischen Glauben bei einfachen Leuten zu stärken und eine Ausbreitung der reformatorischen Gedanken zu verhindern.

„Mir persönlich ist Ökumene sehr wichtig!“ erzählt etwa Bruder Robert Prenner aus Meran. Der engagierte 84-jährige Kapuziner pflegt seit Jahren Kontakte in verschiedenste Richtungen. Einen Höhepunkt stelle jährlich die Gebetswoche für die Einheit der Christen dar, doch auch zu anderen Anlässen würde man sich gegenseitig besuchen. „Zum Jubiläum ‚400 Jahre Kapuziner in Meran‘ haben wir den evangelischen Pfarrer Krautwurst mit seiner Frau eingeladen“, nennt er ein Beispiel. Bruder Robert ist es auch wichtig, seine Aufgabe als Redakteur des „Sonntagsblattes“ für ökumenische Kontakte zu nutzen: Neben der evangelischen Kirche konnte er so auch schon über die rumänisch-orthodoxe Gemeinde und die evangelische Freikirche berichten. Auch interreligiös ist der Kapuziner mit seinen Kontakten zur jüdischen Gemeinde von Meran aktiv.

Teilen von Kirchenraum

Neben persönlichen Kontakten ist es zahlreichen Kapuzinergemeinschaften wichtig, ihre Solidarität mit anderen Konfessionen durch das Teilen von Kirchenraum zu zeigen. Oft sind andere Gemeinschaften kleiner oder haben aus irgendwelchen Gründen keine eigene Kirche. So feiern etwa in Bozen und Feldkirch die rumänisch-orthodoxen Gemeinschaften in den Kapuzinerkirchen ihre Gottesdienste. In Feldkirch ist das umso symbolkräftiger, als der dort verehrte heilige Fidelis von Sigmaringen in Glaubenskonflikten mit reformierten Gläubigen ums Leben kam.

[2020-10-31/red]

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